Hey Ihr Lieben,
jetzt ist es schon mehr als einen Monat her dass ich das letzte Mal etwas hiereingeschrieben habe. Das tut mir leid, weil ich sehr gerne euch über mein Leben hier berichten und euch ein wenig teilhaben lassen würde. Ich hab leider einfach nicht die Zeit dafür gefunden zu schreiben, vielleicht nicht nur die nötige Zeit, sondern auch die dazugehörige Ruhe. Das Leben hier ist jetzt echter Alltag und für mich persönlich waren die letzten Wochen ziemlich schön, anstrengend und vollgepackt. Mein Papa war hier und hat mich für drei Wochen besucht. Während ich die ersten zwei Wochen noch tagsüber arbeiten musste beschäftigte er sich selber, was ziemlich gut war und ihm wohl auch einen besseren eigenen Eindruck vom Leben und der Stadt hier geben konnte. Nach den ersten zwei Wochen sind wir dann zusammen nach Limbe gefahren für eine Nacht, in der wir mal so richtig aufn Putz gehauen ham=) Nach 4 Stunden Schlaf (viel zu wenig!) mussten wir dann morgens gleich weiter zu unserem nächsten Reiseziel – Mundemba. Ich sags ja echt nich gern, aber Mundemba war der Busch. =) Sehr sehr freundliche Menschen und ein kleines ganz anschauliche verschlafenes Örtchen zwar, aber die Fahrt dahin (und wie ich im Reiseführer nachlesen konnte ging es so auch anderen die schon nach Mundemba gefahren sind) ist entweder ein Abenteuer oder die Hölle – je nachdem wie mans nimmt. Man muss sich vorstellen dass man in den vom Zustand her schlechtesten Autos (Toyoto Corolla, was sonst?!=)) sitzt, die aber das gewisse Etwas haben nämlich verstärkte Achsen und die eigenhändig hochgelegt sind, um in den Wassergräben und Riesenfützen zu bestehen. Das is ja alles schön und gut, nur leider ist dass Auto, wie jeder normale andere PKW nur für 5 Personen ausgelegt. Da die Strecke sich aber kostentechnisch wohl nicht rentieren würde fährt der Fahrer nach Mundemba erst los, wenn 7 Personen + er selber im Auto sitzen! Praktisch gesehen heißt dass vier Leute auf der Rückbank, 2 auf dem Beifahrersitz und ein Fahrgast rechts neben dem Fahrer (eigentlich auf dem Schaltknüppel...). Nach 2 Stunden Fahrt geht die Luft aus unserem Reifen raus. Nach gelungenem Reifenwechsel wechseln wir auch gleich das komplette Fahrzeug, ich glaub weil unser erstes Auto allgemein keinen guten Reifenzustand aufweist. Nach weiteren 1,5 Stunden und eingeschlafenen Beinen stolpern wir in Mundemba aus dem Auto. Eigentlich dachte ich, dass Reisen in Kamerun mir nichts mehr antun könnte, aber der Tag war wirklich zu viel. Nachdem wir bei zwei Kontrollen nach Kumba (von Limbe aus, Kumba ist der Ausgangsort nach Mundemba) richtigen Stress mit den geschätzten kamerunischen „Sicherheits“kräften hatten, die partout nicht einsehen wollten, dass wir keine Impfpässe mit herumtragen müssen und ebenfalls nicht verstehen konnten, dass ich nicht der Präsident ihres Landes bin (was mir vorgeworfen wurde nachdem ich darauf hingewiesen hatte, dass es nicht notwendig sei Impfpässe im Land mitzunehmen). Ausgelaugt kamen wir also im Hotel an was wirklich sehr nett war. Die Hitze war zwar unerträglich weil es unglaublich schwül war, was der Regen in der Nacht auch nicht entscheidend ändern konnte. Am nächsten Morgen trafen wir dann den Organisator des Korup Nationalparks, des ältesten Regenwalds Afrikas, in den wir ja wollten. Um halb 10 ging dann die Tour los, die mit dem Überqueren einer unglaublichen Flussströmung über eine Hängebrücke begann, was wirklich eine Erfahrung war.
Wir hatten uns vorgenommen eine Nacht im Regenwald zu schlafen und entschieden uns somit für die längste Tagestour, 11km zum Chimpanzee Camp (in Insiderkreisen auch gerne Japanese Camp genannt;)). Unser Führer war eine kleine Enttäuschung, was uns aber am ersten Tag nicht davon abhielt von dem Regenwald begeistert zu sein. Ganz banal könnte man sagen, dass man ja „nur“ durch einen Wald läuft, aber ganz so ist es nicht. Ich hab noch nie einen Wald gesehen, der so laut war und der vor allem so viele verschiedene Gerüche aufwies. Es war wirklich beeindruckend. Mittags erreichten wir das Camp und ruhten uns erstmal aus, die schwüle Hitze war im Regenwald noch gravierender. Am Nachmittag begleiteten wir einen Belgier und seinen kamerunischen Freund mit deren Führer (der wesentlich gesprächiger und besser war) zu einer Fledermaushöhle, in der uns auch einige der Tiere um die Ohren flogen, was etwas beängstigend war. Nach einem Bad im nahegelegenen Fluss gingen wir früh ins Bett, weil wir echt ausgelaut waren. Am nächsten Morgen gings über eine etwas andere Route schon zurück. Leider konnten wir dann auch keine Tiere mehr sehen, bevor wir den Park verließen. Alles in allem ist der Regenwald schon eine große Erfahrung und ich bin froh es gemacht zu haben, obwohl ich auch enttäuscht war und bin von unserem Führer, der einfach keine Lust hatte Führer zu sein...
Naja die Rückfahrt nach Limbe war dann unglaublich geschmeidig am nächsten Tag, das war schon fast unheimlich. Sehr früh kamen wir in Limbe an und hatten noch den ganzen Tag vor uns, den wir eigentlich schon für die Reise abgehakt hatten. In Limbe erholten wir uns (ich mich vor allem von meinen Mördermoskitostichen) und entspannten die restlichen 2 Tage bevor mein Papa Freitagabend von Douala wieder nach Hause flog. Ich blieb das Wochenende über noch in Limbe, bzw Buea, wo wir (Janna, Nico der aus Bafoussam kam, Lea und Jannik) uns trafen um abends zusammen wegzugehen, was auch ziemlich gut war! Nach nur 4 Stunden Schlaf mal wieder mussten Nico und ich dann Sonntagmorgen die Heimfahrt antreten, die auch mal wieder ziemlich gut war, nachdem der Bus relativ schnell leerer wurde und wir viel Platz hatten, was wirklich nicht oft vorkommt in Kamerun. Seit Sonntag bin ich also wieder in Bamenda, was eigentlich ziemlich gut ist. Das Schuljahr geht in 2 Wochen zu Ende sodass mein Projekt in den Grundschulen (der Sexualkundeunterricht) wegfällt. Ebenfalls bin ich mit dem Film fertig geworden für Robert und mein Benefizkonzert am nächsten Mittwoch (10. Juni, 19 Uhr, Kino Traumstern in Lich bei Gießen, Eintritt: 10 Euro, es spielen 6 Bands und der Dokumentarfilm wird gezeigt. Die Spenden gehen direkt an die vier Projekte hier in Kamerun, die wir unterstützen wollen), sodass ich jetzt eine etwas entspanntere Zeit vor mir habe die letzten paar Monate. Am Freitag kommt schon der nächste Besuch, wodrauf ich mich riesig freue! So jetzt ist es 8:15 kamerunischer Zeit und ich muss mal zur Arbeit. Ich hoffe es geht euch allen gut!
Bis die Tage,
Niels
Dienstag, 2. Juni 2009
Freitag, 24. April 2009
Von Abschied und Freundschaft
Hey Ihr,
is jetzt ne lange Zeit her, seitdem ich das letzte Mal geschrieben habe, aber im Moment komme ich nicht oft zum Schreiben und wenn ich dann mal freie Zeit finde will ich lieber einfach mal ausruhen oder muss mich von Leuten verabschieden.
Genau wie heute wieder.
Catie, meine Cousine, fliegt heute raus aus Kamerun nach Italien und dann in die USA, wo sie ihr Studium anfangen wird. Catie ist zwar irgendwie mit mir verwandt, also richtige Cousinen sind wir nicht, aber ich habe sie hier in Kamerun das erste Mal richtig kennengelernt. Das letzte Mal, als wir uns getroffen haben war ich 4 und sie 9.. In der Zeit, in der wir beide hier in Kamerun waren (also ganze 7 Monate) sind wir eng geworden, hatten schöne Zeiten und ziemlich lustige und gute Unterhaltungen. Heut musste ich leider Ciao sagen und das GEfühl dass ich langsam von Abschieden genug habe wurde dadurch nur noch mehr verstärkt.
Man geht irgendwohin und fast jeder, den man trifft war schon länger hier als man selbst, so ging es mir mit vielen LEuten, aber auch LEute, die man ins HErz schließt und die nach 2 Monaten wieder fahren. Ich kann die Abschiede, die ich hier hatte kaum mehr zählen, aber es waren eine Menge.
Was man mitnimmt aus Abschieden muss die Gewissheit sein, dass man die LEute nicht für immer verabschiedet hat, dass man immer wieder die Chance bekommen wird den oder diejenige wiederzutreffen, wo auch immer und warum auch immer.
LEtzte Woche hatte ich auch so einen Abschied. Nach 2 Wochen einer Hammerzeit mit meiner Mama, Signe und Lorenz mussten wir für die bleibenden Monate auf Wiedersehen sagen. Ich sag euch die ersten zwei Tage waren alles andere als einfach, aber seit die Woche angefangen hat geht es mir so gut wie selten hier in KAmerun und ich glaub dass kommt auch daher, dass ich jetzt einfach weiß, dass bei ganz besonderen Freundschaften auch ein Abstand von 7000 km und Monate Zeit nicht verhindern, dass man sich so gut versteht wie auch vor dem Abschied noch, vielleicht sogar besser.
Über das, was ich so tue hier gibts grad eigentlich nichts neues zu schreiben. Das RAdioprogramm liegt grad etwas auf Eis leider, da ich alleine hier in Bamenda bin. Ansonsten geh ich noch jeden Tag in die SChule und geb meinen "Sexualkundeunterricht" der Spaß macht im Moment! Am Sonntag ist der letzte Tag des Sporttuniers was ich organisiert habe, was aber tausendmal besser hätte laufen könnnen. Naja man lernt noch dazu. Viele SChulen sind nicht gekommen und meine HIV Info, die ich nebenbei aufgebaut habe hat nicht so wirklich gegriffen glaube ich. Am Wochenende kommen Nico und Katharina aus Bafoussam und vielleicht wird morgen Abend ne Hochzeit genossen=) Bin gespannt, auch auf meinen GEburtstag nächste Woche..
Ich hoffe euch gehts allen gut!
Beste Grüße aus Bamenda
Niels
is jetzt ne lange Zeit her, seitdem ich das letzte Mal geschrieben habe, aber im Moment komme ich nicht oft zum Schreiben und wenn ich dann mal freie Zeit finde will ich lieber einfach mal ausruhen oder muss mich von Leuten verabschieden.
Genau wie heute wieder.
Catie, meine Cousine, fliegt heute raus aus Kamerun nach Italien und dann in die USA, wo sie ihr Studium anfangen wird. Catie ist zwar irgendwie mit mir verwandt, also richtige Cousinen sind wir nicht, aber ich habe sie hier in Kamerun das erste Mal richtig kennengelernt. Das letzte Mal, als wir uns getroffen haben war ich 4 und sie 9.. In der Zeit, in der wir beide hier in Kamerun waren (also ganze 7 Monate) sind wir eng geworden, hatten schöne Zeiten und ziemlich lustige und gute Unterhaltungen. Heut musste ich leider Ciao sagen und das GEfühl dass ich langsam von Abschieden genug habe wurde dadurch nur noch mehr verstärkt.
Man geht irgendwohin und fast jeder, den man trifft war schon länger hier als man selbst, so ging es mir mit vielen LEuten, aber auch LEute, die man ins HErz schließt und die nach 2 Monaten wieder fahren. Ich kann die Abschiede, die ich hier hatte kaum mehr zählen, aber es waren eine Menge.
Was man mitnimmt aus Abschieden muss die Gewissheit sein, dass man die LEute nicht für immer verabschiedet hat, dass man immer wieder die Chance bekommen wird den oder diejenige wiederzutreffen, wo auch immer und warum auch immer.
LEtzte Woche hatte ich auch so einen Abschied. Nach 2 Wochen einer Hammerzeit mit meiner Mama, Signe und Lorenz mussten wir für die bleibenden Monate auf Wiedersehen sagen. Ich sag euch die ersten zwei Tage waren alles andere als einfach, aber seit die Woche angefangen hat geht es mir so gut wie selten hier in KAmerun und ich glaub dass kommt auch daher, dass ich jetzt einfach weiß, dass bei ganz besonderen Freundschaften auch ein Abstand von 7000 km und Monate Zeit nicht verhindern, dass man sich so gut versteht wie auch vor dem Abschied noch, vielleicht sogar besser.
Über das, was ich so tue hier gibts grad eigentlich nichts neues zu schreiben. Das RAdioprogramm liegt grad etwas auf Eis leider, da ich alleine hier in Bamenda bin. Ansonsten geh ich noch jeden Tag in die SChule und geb meinen "Sexualkundeunterricht" der Spaß macht im Moment! Am Sonntag ist der letzte Tag des Sporttuniers was ich organisiert habe, was aber tausendmal besser hätte laufen könnnen. Naja man lernt noch dazu. Viele SChulen sind nicht gekommen und meine HIV Info, die ich nebenbei aufgebaut habe hat nicht so wirklich gegriffen glaube ich. Am Wochenende kommen Nico und Katharina aus Bafoussam und vielleicht wird morgen Abend ne Hochzeit genossen=) Bin gespannt, auch auf meinen GEburtstag nächste Woche..
Ich hoffe euch gehts allen gut!
Beste Grüße aus Bamenda
Niels
Dienstag, 31. März 2009
Klischee Afrika wir kommen!
Hey Ihr!
Hoffe euch gehts allen gut. Ich bin seit Sonntag wieder in Bamenda, nachdem ich eine Woche inklusive Reise im Norden Kameruns verbracht habe. Freitag Morgen von Bafoussam nach Yaounde ging es los. Mit 10 Leuten (8 Freiwilligen und der Schwester von Janna und dem Freund von Moni) ging es dann Freitag Abend nach Ngaoundere mit dem super schnellen Nachtzug von Yaounde. Gut, dass wir das Glück hatten noch Schlafwagen zu bekommen, die wirklich sehr gut und sauber waren. So konnten wir schon ein wenig entspannen, bevor es Samstag morgen nach 16 Stunden Zugfahrt auf eine weitere 8 Stunden Busfahrt ging in Richtung Maroua.
Dort angekommen ruhten wir uns in unserem ruhigen Hotel aus mit Ausblick auf einen Sonntag in Maroua und den Beginn der Safari im Waza Park am Montag.
Ich muss schon sagen, dass Maroua mit die schönste Stadt ist, die ich in Kamerun bisher gesehen habe. Es ist viel ruhiger als in Bamenda und der Norden ist eh ganz anders als andere Teile Kameruns. Auf der Fahrt nach Maroua konnte man das typische Afrika Klischee erleben - Lehmhütten und Strohdächer, nichts anderes. Der Norden ist sehr viel trockener und ärmer als die südlichen Teile Kameruns. Die überwiegende Religion ist der Islam, was den Städten und Dörfern eine ganz andere Atmosphäre verleiht.
Am Montag ging es dann mit unserem sehr netten Fahrer Robert in Richtung Waza Park. Im Hotel brachten wir unser Gepäck unter, bevor wir direkt in den Park fuhren. Mit unserem Führer Moussa, der schon seit 30 Jahren im Park arbeitet, gingen wir auf die Suche nach wilden Tieren und hatten nach nur wenigen Minuten dsa Glück Giraffen zu sehen. Denen folgten noch Antilopen, Pelikane, Geier, Adler, Antilopen und Gazellen. Nach 6 Stunden im Park fuhren wir zurück und genossen ein Abendessen direkt am Parkeingang, wo einige Frauen auf Bestellung sehr sehr leckeres Essen kochen. Geschafft von der Fahrt und mit Vorfreude auf den folgenden Tag im Park gingen wir relativ früh ins Bett.
Dienstagmorgen ging es dann schon gegen 6 Uhr in den Park, um ein bisschen bessere Chancen zu haben Löwen zu sehen. Leider reichte unser Glück dafür nicht, sodass wir die 11 Stunden im Park für die Suche nach Elefanten nutzten. Wir folgten Spuren und Anzeichen von Elefanten quer durch den Park hatten aber wieder kein Glück. Gelohnt hat es sich trotzdem, es ist einfach beeindruckend Giraffen und Antilopen in wirklich freier Wildbahn in Ruhe zu betrachten.
Nach einem weiteren ruhigen Abend wollten wir Mittwoch an den Maga-See, einen riesigen Stausee im Norden Kameruns, auf dem man Bootstouren machen und Nilpferde betrachten kann.
Wir nahmen den Weg durch den Park Richtung See und hatten das unglaubliche Glück gerade an dem Tag noch Elefanten zu sehen. Von unserem Guide geleitet nahmen wir Spuren auf und verfolgten diese bis wir auf eine kleine Gruppe Elefanten stießen, die wir aus 100 m Entfernung betrachten konnten.
Die Bootstour war dann aber der absolute Aufreger. Geplant für 1,5 Stunden mussten wir unsere Tour nach einer halben Stunde abbrechen. Der Grund dafür waren die Nilpferde, die wir wirklich nach 20 Minuten antrafen und die uns alle, auch unseren Bootsführer überraschten, da sie sonst viel später und nicht so nah am Ufer auftauchen. Umzingelt von ca. 15 Tieren mussten wir vor den großen Mäulern fliehen, die teilweise schon abtauchten, um unsere Holzpiroge anzugreifen. Das war auch netterweise genau das, was uns der Bootsführer erläuterte, während wir im Boot saßen und unser Ableben planten. Voller Panik und das ist kein Scherz waren wir für das Leben dankbar, das wir noch besaßen an Land angekommen.
Von dem Erlebnis noch kaum erholt kamen wir Mittwoch abend wieder in Maroua an, wo wir bis Samstag morgen blieben. Am Donnerstag unternahm ich mit Jannik eine kleine Wanderung auf den Mount Maroua, der 800m hoch exakt neben der Stadt liegt und von dem man aus einer Hammeraussicht auf die Stadt, die im Gegensatz zu ihrer Umgebung grün ist (man konnte wirklich sehn, wo es Wasserversorgung gab und wo nicht) hatte. Zwei kleine Jungen, Jean-Pierre und Papi, begleiteten uns einfach so, weil sie das jeden Tag machen nach eigenen Angaben. Mit den Beiden hatten wir ein aufschlussreiches Gespräch über ihr Leben und das Leben in Maroua, bevor wir nach dem Wandern noch eine kleine Partie Fussball spielten.
Nach vielen Tagen früh aufstehen, Tiere erleben und Maroua genießen ging es dann Samstag morgen zurück nach Ngaoundere. 8 Stunden Bus bevor wir in Ngaoundere feststellten, dass es keine freien Schlafwagenplätze mehr gab. So mussten wir auch die 16 Stunden im Zug im Sitzen verbringen, was um ehrlich zu sein, besser war, als in Frankreich im Nachtzg zu fahren und da sprech ich aus eigener Erfahrung..=)
Am Sonntag morgen kamen wir dann in Yaounde an und ich musste mich ziemlich schnell von den anderen verabschieden, um meinen Bus nach Bamenda zu bekommen. Glücklicherweise bekam ich gerade noch so den einzigen Bus in meine kamerunische Heimatstadt, in dem ich nach 1 Stunde feststellte, dass ich mein Handy in dem Taxi in Yaounde liegengelassen hatte. Panisch rief ich mein Handy an, das der Taxifahrer abnahm. Gut, dass ich so einen sozialen und netten Fahrer erwischte, der mein Handy nach Absprache Nico vorbeibrachte, der noch länger in Yaounde blieb, als ich. Jetzt liegt mein Handy zwar in Baham rum, aber dank Nico und dem Fahrer habe ich es wenigstens in wenigen Tagen wieder.
Nun ist es schon wieder Dienstag und die Tage verfliegen hier in Bamenda. Ich hatte einige Schwierigkeiten nach einer solch schönen Wochen in Bamenda anzukommen, aber mittlerweile gehts. Ich bin froh eine so super Erfahrung gemacht zu haben. Danke an alle, die mit waren, war cool, dass ihr dabei ward!
Euch allen eine schöne Woche und bald kommt um euch neidisch zu machen ein kleines Video über Giraffen=) Selbstgedreht...
Alles Beste aus Bamenda,
Niels
Hoffe euch gehts allen gut. Ich bin seit Sonntag wieder in Bamenda, nachdem ich eine Woche inklusive Reise im Norden Kameruns verbracht habe. Freitag Morgen von Bafoussam nach Yaounde ging es los. Mit 10 Leuten (8 Freiwilligen und der Schwester von Janna und dem Freund von Moni) ging es dann Freitag Abend nach Ngaoundere mit dem super schnellen Nachtzug von Yaounde. Gut, dass wir das Glück hatten noch Schlafwagen zu bekommen, die wirklich sehr gut und sauber waren. So konnten wir schon ein wenig entspannen, bevor es Samstag morgen nach 16 Stunden Zugfahrt auf eine weitere 8 Stunden Busfahrt ging in Richtung Maroua.
Dort angekommen ruhten wir uns in unserem ruhigen Hotel aus mit Ausblick auf einen Sonntag in Maroua und den Beginn der Safari im Waza Park am Montag.
Ich muss schon sagen, dass Maroua mit die schönste Stadt ist, die ich in Kamerun bisher gesehen habe. Es ist viel ruhiger als in Bamenda und der Norden ist eh ganz anders als andere Teile Kameruns. Auf der Fahrt nach Maroua konnte man das typische Afrika Klischee erleben - Lehmhütten und Strohdächer, nichts anderes. Der Norden ist sehr viel trockener und ärmer als die südlichen Teile Kameruns. Die überwiegende Religion ist der Islam, was den Städten und Dörfern eine ganz andere Atmosphäre verleiht.
Am Montag ging es dann mit unserem sehr netten Fahrer Robert in Richtung Waza Park. Im Hotel brachten wir unser Gepäck unter, bevor wir direkt in den Park fuhren. Mit unserem Führer Moussa, der schon seit 30 Jahren im Park arbeitet, gingen wir auf die Suche nach wilden Tieren und hatten nach nur wenigen Minuten dsa Glück Giraffen zu sehen. Denen folgten noch Antilopen, Pelikane, Geier, Adler, Antilopen und Gazellen. Nach 6 Stunden im Park fuhren wir zurück und genossen ein Abendessen direkt am Parkeingang, wo einige Frauen auf Bestellung sehr sehr leckeres Essen kochen. Geschafft von der Fahrt und mit Vorfreude auf den folgenden Tag im Park gingen wir relativ früh ins Bett.
Dienstagmorgen ging es dann schon gegen 6 Uhr in den Park, um ein bisschen bessere Chancen zu haben Löwen zu sehen. Leider reichte unser Glück dafür nicht, sodass wir die 11 Stunden im Park für die Suche nach Elefanten nutzten. Wir folgten Spuren und Anzeichen von Elefanten quer durch den Park hatten aber wieder kein Glück. Gelohnt hat es sich trotzdem, es ist einfach beeindruckend Giraffen und Antilopen in wirklich freier Wildbahn in Ruhe zu betrachten.
Nach einem weiteren ruhigen Abend wollten wir Mittwoch an den Maga-See, einen riesigen Stausee im Norden Kameruns, auf dem man Bootstouren machen und Nilpferde betrachten kann.
Wir nahmen den Weg durch den Park Richtung See und hatten das unglaubliche Glück gerade an dem Tag noch Elefanten zu sehen. Von unserem Guide geleitet nahmen wir Spuren auf und verfolgten diese bis wir auf eine kleine Gruppe Elefanten stießen, die wir aus 100 m Entfernung betrachten konnten.
Die Bootstour war dann aber der absolute Aufreger. Geplant für 1,5 Stunden mussten wir unsere Tour nach einer halben Stunde abbrechen. Der Grund dafür waren die Nilpferde, die wir wirklich nach 20 Minuten antrafen und die uns alle, auch unseren Bootsführer überraschten, da sie sonst viel später und nicht so nah am Ufer auftauchen. Umzingelt von ca. 15 Tieren mussten wir vor den großen Mäulern fliehen, die teilweise schon abtauchten, um unsere Holzpiroge anzugreifen. Das war auch netterweise genau das, was uns der Bootsführer erläuterte, während wir im Boot saßen und unser Ableben planten. Voller Panik und das ist kein Scherz waren wir für das Leben dankbar, das wir noch besaßen an Land angekommen.
Von dem Erlebnis noch kaum erholt kamen wir Mittwoch abend wieder in Maroua an, wo wir bis Samstag morgen blieben. Am Donnerstag unternahm ich mit Jannik eine kleine Wanderung auf den Mount Maroua, der 800m hoch exakt neben der Stadt liegt und von dem man aus einer Hammeraussicht auf die Stadt, die im Gegensatz zu ihrer Umgebung grün ist (man konnte wirklich sehn, wo es Wasserversorgung gab und wo nicht) hatte. Zwei kleine Jungen, Jean-Pierre und Papi, begleiteten uns einfach so, weil sie das jeden Tag machen nach eigenen Angaben. Mit den Beiden hatten wir ein aufschlussreiches Gespräch über ihr Leben und das Leben in Maroua, bevor wir nach dem Wandern noch eine kleine Partie Fussball spielten.
Nach vielen Tagen früh aufstehen, Tiere erleben und Maroua genießen ging es dann Samstag morgen zurück nach Ngaoundere. 8 Stunden Bus bevor wir in Ngaoundere feststellten, dass es keine freien Schlafwagenplätze mehr gab. So mussten wir auch die 16 Stunden im Zug im Sitzen verbringen, was um ehrlich zu sein, besser war, als in Frankreich im Nachtzg zu fahren und da sprech ich aus eigener Erfahrung..=)
Am Sonntag morgen kamen wir dann in Yaounde an und ich musste mich ziemlich schnell von den anderen verabschieden, um meinen Bus nach Bamenda zu bekommen. Glücklicherweise bekam ich gerade noch so den einzigen Bus in meine kamerunische Heimatstadt, in dem ich nach 1 Stunde feststellte, dass ich mein Handy in dem Taxi in Yaounde liegengelassen hatte. Panisch rief ich mein Handy an, das der Taxifahrer abnahm. Gut, dass ich so einen sozialen und netten Fahrer erwischte, der mein Handy nach Absprache Nico vorbeibrachte, der noch länger in Yaounde blieb, als ich. Jetzt liegt mein Handy zwar in Baham rum, aber dank Nico und dem Fahrer habe ich es wenigstens in wenigen Tagen wieder.
Nun ist es schon wieder Dienstag und die Tage verfliegen hier in Bamenda. Ich hatte einige Schwierigkeiten nach einer solch schönen Wochen in Bamenda anzukommen, aber mittlerweile gehts. Ich bin froh eine so super Erfahrung gemacht zu haben. Danke an alle, die mit waren, war cool, dass ihr dabei ward!
Euch allen eine schöne Woche und bald kommt um euch neidisch zu machen ein kleines Video über Giraffen=) Selbstgedreht...
Alles Beste aus Bamenda,
Niels
Montag, 16. März 2009
Montag, 9. März 2009
1 - Die erste Erkenntnis
Das,was er hier jetzt schon seit über 4 Monaten machte war ihm auch bis jetzt noch nicht wirklich klar.
Ein paar Dinge aber schon: er wusste, dass er sich verändert hatte, nicht nur körperlich (afrikanisches Essen setzt an, das war mit die erste Sache die er gelernt hatte hier), sondern auch hinsichtlich seiner Einstellungen und Weltanschauungen. Vieles war realistischer geworden, weniger auf Halbwissen aufbauend, sondern hautnah erlebt – er konnte sagen, dass Afrika nicht nur dunkel und die Menschen nicht nur böse und kriegerisch, wie auch seine Länder. Vielleicht wusste er jetzt auch, dass Afrika nicht nur ein Land war, aber dafür mangelte es ihm wohl noch an Erfahrung. Was er aber ganz entschieden mitgenommen hatte, war die Veränderung seiner Einstellung gegenüber der Arbeit, die er hier leistete und über seinen europäischen Blick auf die Kultur und die Menschen, die er hier kennengelernt hatte. Er wusste, dass es nicht leicht ist, seine Wäsche mit den Händen zu waschen, er wusste auch, dass man als „Weißer“ hier eine besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht bekam und eine Verantwortung damit einherging, die er nur jetzt nachdem er soviele Europäer hier getroffen hatte, verstehen konnte.
Es ist nicht so, dass die Europäer oder Amerikaner irgendwen in diesem Land missionieren müssen oder dürfen. Es geht vielmehr um das Schlagen von Brücken zwischen zwei Welten, deren Kluft von der einen jahrhundertelang vergrößert worden war.
Als er so darüber nachdachte viel ihm auf, wie sehr ihn der Abend vor kurzem besonders beschäftigte und zusetzte.
„Wenn ich meinem Diener auch noch sagen muss, dass er bitte meine Essensvorräte auffüllt, wenn ich aus dem Urlaub komme, dann läuft da was ganz schief. Die sind hier aber auch alle so unfreundlich und respektlos, kann ich ja nicht verstehen.“Die Sätze waren ihm noch so klar im Gedächtnis als wäre es erst gestern gewesen, obwohl dass ja auch komisch klingt, weil es auch wirklich erst vorgestern gewesen war, naja egal, dachte er sich.
Erschreckend war schon, dass er so Sätze aus dem Mund von Deutschen, die er hier getroffen hatte, hören musste und dann noch nicht mal Touristen, sondern Leute, die hier jahrelang arbeiteten und denen die Ungleichheit der Welt eigentlich deutlicher sein müsste und deren Handeln beeinflussen sollte. Wie kann man Brücken bauen oder Vorurteile auf beiden Seiten abbauen, wenn man sich Bedienstete hält und diese behandelt wie in der guten alten Kolonialzeit? Das war eine Frage auf die er eigentlich nur eine Antwort hatte: gar nicht.
Er wusste und dass war ihm auch wichtig eigentlich, dass er auch nicht frei von Vorurteilen war und auch er musste oft erkennen, dass mit seinem Denken und seinem Handeln während der Arbeit eine gewisse Arroganz einherging, die schwer war abzustellen. Diese Arroganz doch alles zu wissen, als Europäer, doch die besseren Arbeitsweisen zu kennen und Lösungsvorschläge zu machen. Dabei war in diesem Land, in dem er jetzt für ein Jahr lebte mehr Wissen über sein Heimatland vorhanden, als er jemals über dieses fremde Land gewusst hatte, bevor er hier her kam. Das zeigt auch die Ungleichheit. Wir lernen nichts über Afrika und wenn dann darüber, dass Afrika nicht nur ein Land ist, wobei wir trotzdem genau das in unseren Köpfen behalten. Auf der anderen Seite der Kluft zwischen den Welten wird aber alles was mit Geschichte zu tun hat mit uns in Verbindungen gebracht und unsere Geschichte von kleinauf gelehrt und gelernt.
Irgendwie sollten wir doch mal aufhören uns als verschiedene Menschen zu betrachten, dachte er sich. Eigentlich sind wir alle doch Menschen, egal ob schwarz oder weiß. Boah, das hört sich jetzt wieder so neunmalklug an und poetisch aber es war im Enddefekt so, dass wurde ihm immer bewusster. Aber zugleich fühlte er sich schwach bei dem Gedanken, dass es sich so schnell nicht ändern wird, dass unsere Kultur am Ende der Entwicklung steht und alle anderen Länder der Welt unseren Stand erreichen müssen, wir als Krone der Schöpfung. Wie pervers das klang und ist, dachte er sich, bevor ihm klar wurde, dass genau so Menschen, wie er sie letztens getroffen hatte, vieles kaputt machen, was vielleicht mal Brückenansätze gewesen waren. In ihren dicken Geländewagen mit Chauffeur, ihren Bediensteten und ihrem Satelittenfernsehen lebten sie ein Leben mit europäischem Luxusstandart in einem Land, in dem 45% der Bevölkerung mit unter einem Dollar pro Tag auskommen mussten.
Wenn wir als eine Welt irgendwann mal zusammenstehen wollen, dann brauchen wir eine große Brücke. Das Problem im Moment ist nur, dass die Freunde der Brückenbauer an jeden neu gebauten Pfeiler frische Sprengsätze anbringen, um das Projekt ja nicht zu Ende kommen zu lassen. Und wir sitzen alle im selben Boot und schauen uns das Spektakel von dort aus an. Welches Ufer wir ansteuern wissen wir nicht und wir hoffen, dass die Brücke fertig wird, damit es egal ist an welchem Ufer wir ankommen.
Ein paar Dinge aber schon: er wusste, dass er sich verändert hatte, nicht nur körperlich (afrikanisches Essen setzt an, das war mit die erste Sache die er gelernt hatte hier), sondern auch hinsichtlich seiner Einstellungen und Weltanschauungen. Vieles war realistischer geworden, weniger auf Halbwissen aufbauend, sondern hautnah erlebt – er konnte sagen, dass Afrika nicht nur dunkel und die Menschen nicht nur böse und kriegerisch, wie auch seine Länder. Vielleicht wusste er jetzt auch, dass Afrika nicht nur ein Land war, aber dafür mangelte es ihm wohl noch an Erfahrung. Was er aber ganz entschieden mitgenommen hatte, war die Veränderung seiner Einstellung gegenüber der Arbeit, die er hier leistete und über seinen europäischen Blick auf die Kultur und die Menschen, die er hier kennengelernt hatte. Er wusste, dass es nicht leicht ist, seine Wäsche mit den Händen zu waschen, er wusste auch, dass man als „Weißer“ hier eine besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht bekam und eine Verantwortung damit einherging, die er nur jetzt nachdem er soviele Europäer hier getroffen hatte, verstehen konnte.
Es ist nicht so, dass die Europäer oder Amerikaner irgendwen in diesem Land missionieren müssen oder dürfen. Es geht vielmehr um das Schlagen von Brücken zwischen zwei Welten, deren Kluft von der einen jahrhundertelang vergrößert worden war.
Als er so darüber nachdachte viel ihm auf, wie sehr ihn der Abend vor kurzem besonders beschäftigte und zusetzte.
„Wenn ich meinem Diener auch noch sagen muss, dass er bitte meine Essensvorräte auffüllt, wenn ich aus dem Urlaub komme, dann läuft da was ganz schief. Die sind hier aber auch alle so unfreundlich und respektlos, kann ich ja nicht verstehen.“Die Sätze waren ihm noch so klar im Gedächtnis als wäre es erst gestern gewesen, obwohl dass ja auch komisch klingt, weil es auch wirklich erst vorgestern gewesen war, naja egal, dachte er sich.
Erschreckend war schon, dass er so Sätze aus dem Mund von Deutschen, die er hier getroffen hatte, hören musste und dann noch nicht mal Touristen, sondern Leute, die hier jahrelang arbeiteten und denen die Ungleichheit der Welt eigentlich deutlicher sein müsste und deren Handeln beeinflussen sollte. Wie kann man Brücken bauen oder Vorurteile auf beiden Seiten abbauen, wenn man sich Bedienstete hält und diese behandelt wie in der guten alten Kolonialzeit? Das war eine Frage auf die er eigentlich nur eine Antwort hatte: gar nicht.
Er wusste und dass war ihm auch wichtig eigentlich, dass er auch nicht frei von Vorurteilen war und auch er musste oft erkennen, dass mit seinem Denken und seinem Handeln während der Arbeit eine gewisse Arroganz einherging, die schwer war abzustellen. Diese Arroganz doch alles zu wissen, als Europäer, doch die besseren Arbeitsweisen zu kennen und Lösungsvorschläge zu machen. Dabei war in diesem Land, in dem er jetzt für ein Jahr lebte mehr Wissen über sein Heimatland vorhanden, als er jemals über dieses fremde Land gewusst hatte, bevor er hier her kam. Das zeigt auch die Ungleichheit. Wir lernen nichts über Afrika und wenn dann darüber, dass Afrika nicht nur ein Land ist, wobei wir trotzdem genau das in unseren Köpfen behalten. Auf der anderen Seite der Kluft zwischen den Welten wird aber alles was mit Geschichte zu tun hat mit uns in Verbindungen gebracht und unsere Geschichte von kleinauf gelehrt und gelernt.
Irgendwie sollten wir doch mal aufhören uns als verschiedene Menschen zu betrachten, dachte er sich. Eigentlich sind wir alle doch Menschen, egal ob schwarz oder weiß. Boah, das hört sich jetzt wieder so neunmalklug an und poetisch aber es war im Enddefekt so, dass wurde ihm immer bewusster. Aber zugleich fühlte er sich schwach bei dem Gedanken, dass es sich so schnell nicht ändern wird, dass unsere Kultur am Ende der Entwicklung steht und alle anderen Länder der Welt unseren Stand erreichen müssen, wir als Krone der Schöpfung. Wie pervers das klang und ist, dachte er sich, bevor ihm klar wurde, dass genau so Menschen, wie er sie letztens getroffen hatte, vieles kaputt machen, was vielleicht mal Brückenansätze gewesen waren. In ihren dicken Geländewagen mit Chauffeur, ihren Bediensteten und ihrem Satelittenfernsehen lebten sie ein Leben mit europäischem Luxusstandart in einem Land, in dem 45% der Bevölkerung mit unter einem Dollar pro Tag auskommen mussten.
Wenn wir als eine Welt irgendwann mal zusammenstehen wollen, dann brauchen wir eine große Brücke. Das Problem im Moment ist nur, dass die Freunde der Brückenbauer an jeden neu gebauten Pfeiler frische Sprengsätze anbringen, um das Projekt ja nicht zu Ende kommen zu lassen. Und wir sitzen alle im selben Boot und schauen uns das Spektakel von dort aus an. Welches Ufer wir ansteuern wissen wir nicht und wir hoffen, dass die Brücke fertig wird, damit es egal ist an welchem Ufer wir ankommen.
2 - Die Zeit oder das Mysterium
Achja die gute alte Zeit. Wo hatte man sich nicht alles an Zeiten gehalten? Als kleines Kind an die Essenszeiten, die fest eingehalten werden sollten, damit es im Magen ja nicht rumort, dann an die Schulzeiten (und das sollte noch ins Erwachsenenleben hineinreichen), die Trainingszeiten, die Abfahrtszeiten für Busse, Bahn oder Mitfahrgelegenheiten, die Prüfungszeiten oder an die deftigen Brotzeiten zwischendurch, die „Du-kommst-aber-vor-Zwölf-nach-Hause“- Zeiten und natürlich an die Freizeiten (wobei hier auch nochmal unterschieden werden könnte, aber das würde zu lange dauern).
Er saß bei einer recht guten Tasse Tee an seinem kleinen von „seinem“ Schreiner neu gebauten Schreibtisch und genoss die eben noch nicht erwähnte Feierabendszeit, indem er sich Gedanken über die Zeit machte, die er seit einigen Monaten durch mindestens tausend verschiedene Blickwinkel gesehen und gedanklich durch mehrere hundert Fleischwölfe gedreht hatte. Wie dreht man die Zeit durch einen Fleischwolf? Das können wohl eigentlich nur diejenigen nachvollziehen, weitererzählen und erklären, die eine längere Zeit im Ausland waren, dabei ein wenig Probleme beim Einleben hatten und ihr Zuhause zu sehr, ja fast schon irrational stark, vermisst haben. So schwer ist das nämlich gar nicht mit dem Fleischwolf und der Zeit. Ich nehme mal mich als Beispiel, begonn er in Gedanken zu sinnieren. Ich bin hier letzten September angekommen, das sind jetzt in einer Woche gut 5 Monate, die ich nicht mehr auf heimischem Boden verbracht habe. Die 5 Monate sind ungefähr 150 Tage von gut 365, die ich hier insgesamt verbringe. Bleiben also noch 215 Tage, was so gut wie sieben Monate sind. Am Donnerstag vor 7 Monaten war ich auf einem Open Air Konzert, was der Hammer war. Moment, wie fühlt sich das an nochmal solange hier zu sein?
Keinen Plan, also weiter mit der Rechnung, die bestimmt zu etwas führen wird.
In gut 8 Monaten und einer Woche bin ich dann also schon einen Monat wieder zuhause, also das heißt, dass ich dann auch schon angefangen habe zu studieren. Vor 8 Monaten war mein Abi grad über die Bühne gegangen und hatte sich sogleich in den Sommerferien verabschiedet, um jetzt ein Jahr Auszeit zu nehmen. So weit weg kommen mir die letzten Prüfungen gar nicht vor, also kanns ja nicht mehr so schlimm sein noch 8 Monate auf meine Besten zuhause warten zu müssen.
Jetzt kam er nicht mehr weiter mit seinen Gedanken, die Zeit hatte sich im Fleischwolf verfangen und es war klar, dass er zu keinem sinnigen Schluss kommen würde. Warum er sich all diese Gedanken machte, war ihm schon klar und ein wenig unheimlich. Es bedeutete schon, dass er sich sehr nach Zuhause sehnte. Er konnte es sich so gut gehen lassen wie er wollte, so wie er es im Moment bei dieser wirklich guten (um es nochmal zu betonen) Tasse Tee tat, so richtig wurde er die Sehnsucht nicht los.
Ob das nun ein wirklich schlechtes oder ein normales oder ein beruhigendes Zeichen war konnte er sich nicht beantworten. Eins konnte er aber sagen: er hatte sich im Berechnen von Monaten, Tagen, Stunden und Minuten unheimlich verbessert, die Zeit war für ihn kein Mysterium mehr. Andererseits war es genau das, ein Mysterium, das ihn dieses ganze Jahr begleiten wird und ihm ruhelose Gedanken bereiten wird.
Einen Gedanken, der ihm gerade in den Sinn gekommen war, fand er aufbauend und logisch zugleich. Eigentlich, so sagte er sich, sieht es im Moment so aus, als ob ich das Berechnen der Zeit nur dem Berechnen der Zeit zuliebe mache, nicht weil ich unstillbare Sehnsucht nach Zuhause habe. Einmal damit angefangen ist es halt schwer wieder aufzuhören, bestärkte er sich in seiner Idee, die ihm heute mal etwas Druck von ihm nehmen sollte. Den Druck endlich die Zeit begreifen zu können, endlich Ruhe zu finden, im Angesicht der Zeit, die ihm hier noch blieb und die auf ihn zu Hause wartete. Diese Ruhe ist wohl das A und O der ganzen Geschichte hier, der Schlüssel zur Zufriedenheit. Wenn ich für mich selbst die Zeit akzeptiert habe, habe ich Ruhe und die Ruhe hilft mir zu genießen und nicht alles in eine Zeitrechnungsformel einzubeziehen.
Er schaute auf seine Uhr und bemerkte, dass er 10 Minuten zu spät zum Meeting kommen würde, das er selbst einberufen hatte. Mit seinen Unterlagen im Arm schlenderte er Richtung Sitzecke, wo das Meeting stattfinden sollte. Er wusste, wie es kommen würde – und er sollte Recht behalten.
Ja, er war nicht nur 10 sondern ganze 15 Minuten zu spät, aber außer ihm war nur noch Kate da, eine von den 4 erwarteten Freiwilligen mit denen er zusammenarbeitete. Er schaute auf die Wanduhr im Büro, die seines Erachtens nach 15 Minuten nachging, im Office aber Gültigkeit besaß. Das Problem bei der ganzen Geschichte war nur, dass jede Uhr im Büro Gültigkeit besaß und dass jede dieser Uhren anders ging. Eine Sache, die er in Kamerun mit Erstaunen immer öfter feststellte – es gab nicht DIE eine Uhrzeit, es gab Uhrzeiten und das hatte durchaus Vorteile, jeder war pünktlich, es war nur eine Frage der Auslegung.
Es muss schwer sein als Kameruner die Zeit durch einen Fleischwolf zu drehen. Der Gedanke machte ihm Mut, er musste lächeln und machte sich auf dem Sofa bereit einige Zeit zu warten.
Er saß bei einer recht guten Tasse Tee an seinem kleinen von „seinem“ Schreiner neu gebauten Schreibtisch und genoss die eben noch nicht erwähnte Feierabendszeit, indem er sich Gedanken über die Zeit machte, die er seit einigen Monaten durch mindestens tausend verschiedene Blickwinkel gesehen und gedanklich durch mehrere hundert Fleischwölfe gedreht hatte. Wie dreht man die Zeit durch einen Fleischwolf? Das können wohl eigentlich nur diejenigen nachvollziehen, weitererzählen und erklären, die eine längere Zeit im Ausland waren, dabei ein wenig Probleme beim Einleben hatten und ihr Zuhause zu sehr, ja fast schon irrational stark, vermisst haben. So schwer ist das nämlich gar nicht mit dem Fleischwolf und der Zeit. Ich nehme mal mich als Beispiel, begonn er in Gedanken zu sinnieren. Ich bin hier letzten September angekommen, das sind jetzt in einer Woche gut 5 Monate, die ich nicht mehr auf heimischem Boden verbracht habe. Die 5 Monate sind ungefähr 150 Tage von gut 365, die ich hier insgesamt verbringe. Bleiben also noch 215 Tage, was so gut wie sieben Monate sind. Am Donnerstag vor 7 Monaten war ich auf einem Open Air Konzert, was der Hammer war. Moment, wie fühlt sich das an nochmal solange hier zu sein?
Keinen Plan, also weiter mit der Rechnung, die bestimmt zu etwas führen wird.
In gut 8 Monaten und einer Woche bin ich dann also schon einen Monat wieder zuhause, also das heißt, dass ich dann auch schon angefangen habe zu studieren. Vor 8 Monaten war mein Abi grad über die Bühne gegangen und hatte sich sogleich in den Sommerferien verabschiedet, um jetzt ein Jahr Auszeit zu nehmen. So weit weg kommen mir die letzten Prüfungen gar nicht vor, also kanns ja nicht mehr so schlimm sein noch 8 Monate auf meine Besten zuhause warten zu müssen.
Jetzt kam er nicht mehr weiter mit seinen Gedanken, die Zeit hatte sich im Fleischwolf verfangen und es war klar, dass er zu keinem sinnigen Schluss kommen würde. Warum er sich all diese Gedanken machte, war ihm schon klar und ein wenig unheimlich. Es bedeutete schon, dass er sich sehr nach Zuhause sehnte. Er konnte es sich so gut gehen lassen wie er wollte, so wie er es im Moment bei dieser wirklich guten (um es nochmal zu betonen) Tasse Tee tat, so richtig wurde er die Sehnsucht nicht los.
Ob das nun ein wirklich schlechtes oder ein normales oder ein beruhigendes Zeichen war konnte er sich nicht beantworten. Eins konnte er aber sagen: er hatte sich im Berechnen von Monaten, Tagen, Stunden und Minuten unheimlich verbessert, die Zeit war für ihn kein Mysterium mehr. Andererseits war es genau das, ein Mysterium, das ihn dieses ganze Jahr begleiten wird und ihm ruhelose Gedanken bereiten wird.
Einen Gedanken, der ihm gerade in den Sinn gekommen war, fand er aufbauend und logisch zugleich. Eigentlich, so sagte er sich, sieht es im Moment so aus, als ob ich das Berechnen der Zeit nur dem Berechnen der Zeit zuliebe mache, nicht weil ich unstillbare Sehnsucht nach Zuhause habe. Einmal damit angefangen ist es halt schwer wieder aufzuhören, bestärkte er sich in seiner Idee, die ihm heute mal etwas Druck von ihm nehmen sollte. Den Druck endlich die Zeit begreifen zu können, endlich Ruhe zu finden, im Angesicht der Zeit, die ihm hier noch blieb und die auf ihn zu Hause wartete. Diese Ruhe ist wohl das A und O der ganzen Geschichte hier, der Schlüssel zur Zufriedenheit. Wenn ich für mich selbst die Zeit akzeptiert habe, habe ich Ruhe und die Ruhe hilft mir zu genießen und nicht alles in eine Zeitrechnungsformel einzubeziehen.
Er schaute auf seine Uhr und bemerkte, dass er 10 Minuten zu spät zum Meeting kommen würde, das er selbst einberufen hatte. Mit seinen Unterlagen im Arm schlenderte er Richtung Sitzecke, wo das Meeting stattfinden sollte. Er wusste, wie es kommen würde – und er sollte Recht behalten.
Ja, er war nicht nur 10 sondern ganze 15 Minuten zu spät, aber außer ihm war nur noch Kate da, eine von den 4 erwarteten Freiwilligen mit denen er zusammenarbeitete. Er schaute auf die Wanduhr im Büro, die seines Erachtens nach 15 Minuten nachging, im Office aber Gültigkeit besaß. Das Problem bei der ganzen Geschichte war nur, dass jede Uhr im Büro Gültigkeit besaß und dass jede dieser Uhren anders ging. Eine Sache, die er in Kamerun mit Erstaunen immer öfter feststellte – es gab nicht DIE eine Uhrzeit, es gab Uhrzeiten und das hatte durchaus Vorteile, jeder war pünktlich, es war nur eine Frage der Auslegung.
Es muss schwer sein als Kameruner die Zeit durch einen Fleischwolf zu drehen. Der Gedanke machte ihm Mut, er musste lächeln und machte sich auf dem Sofa bereit einige Zeit zu warten.
3 - Warten
Warten – eigentlich dreht sich alles ums Warten. Das ist nicht nur in Kamerun so, das Leben besteht ja sozusagen aus Warten, ja besteht nur, weil es das Warten gibt – oder nicht?
Am so genannten Bafoussam Park wartete er jetzt schon 2 Stunden darauf loszufahren, das heißt er wartete auf Passagiere, die doch bitte mal den verdammten Bus voll machen könnten! Er kam langsam in Rage, mal wieder wollte er eigentlich einen entspannten Tag in Baham verbringen, wo er einen Freund besuchen wollte. „Langsam sollte ich daran gewöhnt sein und dieses ewige Warten nicht so auf die Goldwaage legen, aber...“ Ja dieses Aber begleitete ihn nun schon die 5 Monate, die er in Kamerun verbracht hatte bis zu diesem Tag. Kamerun ist ein wunderbares Land, aber... Die Leute sind total offen und freundlich, aber... Keiner kann Paul Biya leiden, aber...
Aber das war ja ein anderes Thema. Im Moment zählte für ihn nur das Warten. Wann genau habe ich denn angefangen zu warten? War es vor 2 Stunden als ich von meinem Motorbike abstieg und ich seitdem mit meiner Tasche auf dem Schoß dumm rumsitze und Leute anglotze, als ob ich sie nicht mehr alle im Kopf hätte? Wann fängt ein Mensch an zu warten? Ist es die Zeit im Bauch der Mutter, das Warten auf die Geburt? So richtig konnte er keine Antwort finden. Wenn er genau nachdachte war das Warten viel zu vielschichtig. Es reicht nicht nur das momentane Warten zu beschreiben, vielmehr wird jedes Warten nur für einen Moment von einem anderen Warten überlagert ohne zu verschwinden. In Gedanken ging er seine Theorie durch. „Im Moment warte ich hier auf dem staubigen Abstellplatz für alte Busse auf die Abfahrt, aber ich warte genauso darauf im September das Studium zu beginnen oder mich in Zukunft zu verlieben. Genauso warte ich auf den Tag, an dem ich meinen ersten Besuch hier in Kamerun vom Flughafen abholen kann und im Großen und Ganzen besteht das Leben ja aus der Gestaltung der Wartezeit auf den Tod...“ Oh Gott jetzt wird’s aber sehr, sehr merkwürdig, musste er sich selbst eingestehen, obwohl ihm die letzte These gut gefiel.
„Morgens stehe ich auf und warte während des Frühstücks ja nur so darauf zur Arbeit zu gehen. Auf der Arbeit fängt man (also ich auf jeden Fall) dann wieder an auf den Feierabend zu warten. Wenn man dann Nachmittags nach Hause kommt wartet man auf das Essen und nach dem Essen wartet man auf die passende Zeit ins Bett zu gehen und so weiter und so fort.“ Er schaute aus dem Fenster und sah die mittlerweile von der Trockenzeit vergilbten und vom roten Staub gefärbten Grashügel, die sich hinter dem Busbahnhof meilenweit erstreckten. Zwischen dem schier endlosen Gras erhoben sich stellenweise auch einige Bananenbäume, oder waren es Kochbananen? Den Unterschied hatte er nie sehen können. Es war wunderschön, das musste er sich eingestehen und ihm wurde für eine Sekunde klar, dass Warten auch was Befreiendes und Schönes haben kann. Die Sekunde verging zu schnell.
Warten kann verdammt beunruhigend sein, es kann dich stressen und dich nerven, aber im Grunde geht es darum, wie man das Warten in Angriff nimmt – so wie es mit Leben ja auch ist.
Im Warten liegt auch verdammt viel Ruhe und es birgt Gedanken, die man sich vielleicht sonst nie gemacht hätte, genau wie jetzt auch, dachte er sich. Die hohe Kunst ist es, sich seine Wartezeit gut zu gestalten.
Für ihn hieß das sie zu akzeptieren, wie sie kommt. Manchmal kommt das Warten unerwartet und es nervt, man will etwas anderes machen, man will aktiv sein und nicht warten. Manchmal wusste man schon im Voraus, dass man warten muss, aber man kann es in beiden Fällen nicht verhindern. Das Warten ist wie das Leben, man muss akzeptieren, was man nicht ändern kann und das Beste draus machen. Das ist wohl auch der Grund, warum Paul Biya immer noch Präsident ist, dachte er in diesem Moment. Kameruner haben einfach verstanden worum es im Leben geht...
Am so genannten Bafoussam Park wartete er jetzt schon 2 Stunden darauf loszufahren, das heißt er wartete auf Passagiere, die doch bitte mal den verdammten Bus voll machen könnten! Er kam langsam in Rage, mal wieder wollte er eigentlich einen entspannten Tag in Baham verbringen, wo er einen Freund besuchen wollte. „Langsam sollte ich daran gewöhnt sein und dieses ewige Warten nicht so auf die Goldwaage legen, aber...“ Ja dieses Aber begleitete ihn nun schon die 5 Monate, die er in Kamerun verbracht hatte bis zu diesem Tag. Kamerun ist ein wunderbares Land, aber... Die Leute sind total offen und freundlich, aber... Keiner kann Paul Biya leiden, aber...
Aber das war ja ein anderes Thema. Im Moment zählte für ihn nur das Warten. Wann genau habe ich denn angefangen zu warten? War es vor 2 Stunden als ich von meinem Motorbike abstieg und ich seitdem mit meiner Tasche auf dem Schoß dumm rumsitze und Leute anglotze, als ob ich sie nicht mehr alle im Kopf hätte? Wann fängt ein Mensch an zu warten? Ist es die Zeit im Bauch der Mutter, das Warten auf die Geburt? So richtig konnte er keine Antwort finden. Wenn er genau nachdachte war das Warten viel zu vielschichtig. Es reicht nicht nur das momentane Warten zu beschreiben, vielmehr wird jedes Warten nur für einen Moment von einem anderen Warten überlagert ohne zu verschwinden. In Gedanken ging er seine Theorie durch. „Im Moment warte ich hier auf dem staubigen Abstellplatz für alte Busse auf die Abfahrt, aber ich warte genauso darauf im September das Studium zu beginnen oder mich in Zukunft zu verlieben. Genauso warte ich auf den Tag, an dem ich meinen ersten Besuch hier in Kamerun vom Flughafen abholen kann und im Großen und Ganzen besteht das Leben ja aus der Gestaltung der Wartezeit auf den Tod...“ Oh Gott jetzt wird’s aber sehr, sehr merkwürdig, musste er sich selbst eingestehen, obwohl ihm die letzte These gut gefiel.
„Morgens stehe ich auf und warte während des Frühstücks ja nur so darauf zur Arbeit zu gehen. Auf der Arbeit fängt man (also ich auf jeden Fall) dann wieder an auf den Feierabend zu warten. Wenn man dann Nachmittags nach Hause kommt wartet man auf das Essen und nach dem Essen wartet man auf die passende Zeit ins Bett zu gehen und so weiter und so fort.“ Er schaute aus dem Fenster und sah die mittlerweile von der Trockenzeit vergilbten und vom roten Staub gefärbten Grashügel, die sich hinter dem Busbahnhof meilenweit erstreckten. Zwischen dem schier endlosen Gras erhoben sich stellenweise auch einige Bananenbäume, oder waren es Kochbananen? Den Unterschied hatte er nie sehen können. Es war wunderschön, das musste er sich eingestehen und ihm wurde für eine Sekunde klar, dass Warten auch was Befreiendes und Schönes haben kann. Die Sekunde verging zu schnell.
Warten kann verdammt beunruhigend sein, es kann dich stressen und dich nerven, aber im Grunde geht es darum, wie man das Warten in Angriff nimmt – so wie es mit Leben ja auch ist.
Im Warten liegt auch verdammt viel Ruhe und es birgt Gedanken, die man sich vielleicht sonst nie gemacht hätte, genau wie jetzt auch, dachte er sich. Die hohe Kunst ist es, sich seine Wartezeit gut zu gestalten.
Für ihn hieß das sie zu akzeptieren, wie sie kommt. Manchmal kommt das Warten unerwartet und es nervt, man will etwas anderes machen, man will aktiv sein und nicht warten. Manchmal wusste man schon im Voraus, dass man warten muss, aber man kann es in beiden Fällen nicht verhindern. Das Warten ist wie das Leben, man muss akzeptieren, was man nicht ändern kann und das Beste draus machen. Das ist wohl auch der Grund, warum Paul Biya immer noch Präsident ist, dachte er in diesem Moment. Kameruner haben einfach verstanden worum es im Leben geht...
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