Hey Ihr Lieben,
jetzt ist es schon mehr als einen Monat her dass ich das letzte Mal etwas hiereingeschrieben habe. Das tut mir leid, weil ich sehr gerne euch über mein Leben hier berichten und euch ein wenig teilhaben lassen würde. Ich hab leider einfach nicht die Zeit dafür gefunden zu schreiben, vielleicht nicht nur die nötige Zeit, sondern auch die dazugehörige Ruhe. Das Leben hier ist jetzt echter Alltag und für mich persönlich waren die letzten Wochen ziemlich schön, anstrengend und vollgepackt. Mein Papa war hier und hat mich für drei Wochen besucht. Während ich die ersten zwei Wochen noch tagsüber arbeiten musste beschäftigte er sich selber, was ziemlich gut war und ihm wohl auch einen besseren eigenen Eindruck vom Leben und der Stadt hier geben konnte. Nach den ersten zwei Wochen sind wir dann zusammen nach Limbe gefahren für eine Nacht, in der wir mal so richtig aufn Putz gehauen ham=) Nach 4 Stunden Schlaf (viel zu wenig!) mussten wir dann morgens gleich weiter zu unserem nächsten Reiseziel – Mundemba. Ich sags ja echt nich gern, aber Mundemba war der Busch. =) Sehr sehr freundliche Menschen und ein kleines ganz anschauliche verschlafenes Örtchen zwar, aber die Fahrt dahin (und wie ich im Reiseführer nachlesen konnte ging es so auch anderen die schon nach Mundemba gefahren sind) ist entweder ein Abenteuer oder die Hölle – je nachdem wie mans nimmt. Man muss sich vorstellen dass man in den vom Zustand her schlechtesten Autos (Toyoto Corolla, was sonst?!=)) sitzt, die aber das gewisse Etwas haben nämlich verstärkte Achsen und die eigenhändig hochgelegt sind, um in den Wassergräben und Riesenfützen zu bestehen. Das is ja alles schön und gut, nur leider ist dass Auto, wie jeder normale andere PKW nur für 5 Personen ausgelegt. Da die Strecke sich aber kostentechnisch wohl nicht rentieren würde fährt der Fahrer nach Mundemba erst los, wenn 7 Personen + er selber im Auto sitzen! Praktisch gesehen heißt dass vier Leute auf der Rückbank, 2 auf dem Beifahrersitz und ein Fahrgast rechts neben dem Fahrer (eigentlich auf dem Schaltknüppel...). Nach 2 Stunden Fahrt geht die Luft aus unserem Reifen raus. Nach gelungenem Reifenwechsel wechseln wir auch gleich das komplette Fahrzeug, ich glaub weil unser erstes Auto allgemein keinen guten Reifenzustand aufweist. Nach weiteren 1,5 Stunden und eingeschlafenen Beinen stolpern wir in Mundemba aus dem Auto. Eigentlich dachte ich, dass Reisen in Kamerun mir nichts mehr antun könnte, aber der Tag war wirklich zu viel. Nachdem wir bei zwei Kontrollen nach Kumba (von Limbe aus, Kumba ist der Ausgangsort nach Mundemba) richtigen Stress mit den geschätzten kamerunischen „Sicherheits“kräften hatten, die partout nicht einsehen wollten, dass wir keine Impfpässe mit herumtragen müssen und ebenfalls nicht verstehen konnten, dass ich nicht der Präsident ihres Landes bin (was mir vorgeworfen wurde nachdem ich darauf hingewiesen hatte, dass es nicht notwendig sei Impfpässe im Land mitzunehmen). Ausgelaugt kamen wir also im Hotel an was wirklich sehr nett war. Die Hitze war zwar unerträglich weil es unglaublich schwül war, was der Regen in der Nacht auch nicht entscheidend ändern konnte. Am nächsten Morgen trafen wir dann den Organisator des Korup Nationalparks, des ältesten Regenwalds Afrikas, in den wir ja wollten. Um halb 10 ging dann die Tour los, die mit dem Überqueren einer unglaublichen Flussströmung über eine Hängebrücke begann, was wirklich eine Erfahrung war.
Wir hatten uns vorgenommen eine Nacht im Regenwald zu schlafen und entschieden uns somit für die längste Tagestour, 11km zum Chimpanzee Camp (in Insiderkreisen auch gerne Japanese Camp genannt;)). Unser Führer war eine kleine Enttäuschung, was uns aber am ersten Tag nicht davon abhielt von dem Regenwald begeistert zu sein. Ganz banal könnte man sagen, dass man ja „nur“ durch einen Wald läuft, aber ganz so ist es nicht. Ich hab noch nie einen Wald gesehen, der so laut war und der vor allem so viele verschiedene Gerüche aufwies. Es war wirklich beeindruckend. Mittags erreichten wir das Camp und ruhten uns erstmal aus, die schwüle Hitze war im Regenwald noch gravierender. Am Nachmittag begleiteten wir einen Belgier und seinen kamerunischen Freund mit deren Führer (der wesentlich gesprächiger und besser war) zu einer Fledermaushöhle, in der uns auch einige der Tiere um die Ohren flogen, was etwas beängstigend war. Nach einem Bad im nahegelegenen Fluss gingen wir früh ins Bett, weil wir echt ausgelaut waren. Am nächsten Morgen gings über eine etwas andere Route schon zurück. Leider konnten wir dann auch keine Tiere mehr sehen, bevor wir den Park verließen. Alles in allem ist der Regenwald schon eine große Erfahrung und ich bin froh es gemacht zu haben, obwohl ich auch enttäuscht war und bin von unserem Führer, der einfach keine Lust hatte Führer zu sein...
Naja die Rückfahrt nach Limbe war dann unglaublich geschmeidig am nächsten Tag, das war schon fast unheimlich. Sehr früh kamen wir in Limbe an und hatten noch den ganzen Tag vor uns, den wir eigentlich schon für die Reise abgehakt hatten. In Limbe erholten wir uns (ich mich vor allem von meinen Mördermoskitostichen) und entspannten die restlichen 2 Tage bevor mein Papa Freitagabend von Douala wieder nach Hause flog. Ich blieb das Wochenende über noch in Limbe, bzw Buea, wo wir (Janna, Nico der aus Bafoussam kam, Lea und Jannik) uns trafen um abends zusammen wegzugehen, was auch ziemlich gut war! Nach nur 4 Stunden Schlaf mal wieder mussten Nico und ich dann Sonntagmorgen die Heimfahrt antreten, die auch mal wieder ziemlich gut war, nachdem der Bus relativ schnell leerer wurde und wir viel Platz hatten, was wirklich nicht oft vorkommt in Kamerun. Seit Sonntag bin ich also wieder in Bamenda, was eigentlich ziemlich gut ist. Das Schuljahr geht in 2 Wochen zu Ende sodass mein Projekt in den Grundschulen (der Sexualkundeunterricht) wegfällt. Ebenfalls bin ich mit dem Film fertig geworden für Robert und mein Benefizkonzert am nächsten Mittwoch (10. Juni, 19 Uhr, Kino Traumstern in Lich bei Gießen, Eintritt: 10 Euro, es spielen 6 Bands und der Dokumentarfilm wird gezeigt. Die Spenden gehen direkt an die vier Projekte hier in Kamerun, die wir unterstützen wollen), sodass ich jetzt eine etwas entspanntere Zeit vor mir habe die letzten paar Monate. Am Freitag kommt schon der nächste Besuch, wodrauf ich mich riesig freue! So jetzt ist es 8:15 kamerunischer Zeit und ich muss mal zur Arbeit. Ich hoffe es geht euch allen gut!
Bis die Tage,
Niels
Dienstag, 2. Juni 2009
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