Warten – eigentlich dreht sich alles ums Warten. Das ist nicht nur in Kamerun so, das Leben besteht ja sozusagen aus Warten, ja besteht nur, weil es das Warten gibt – oder nicht?
Am so genannten Bafoussam Park wartete er jetzt schon 2 Stunden darauf loszufahren, das heißt er wartete auf Passagiere, die doch bitte mal den verdammten Bus voll machen könnten! Er kam langsam in Rage, mal wieder wollte er eigentlich einen entspannten Tag in Baham verbringen, wo er einen Freund besuchen wollte. „Langsam sollte ich daran gewöhnt sein und dieses ewige Warten nicht so auf die Goldwaage legen, aber...“ Ja dieses Aber begleitete ihn nun schon die 5 Monate, die er in Kamerun verbracht hatte bis zu diesem Tag. Kamerun ist ein wunderbares Land, aber... Die Leute sind total offen und freundlich, aber... Keiner kann Paul Biya leiden, aber...
Aber das war ja ein anderes Thema. Im Moment zählte für ihn nur das Warten. Wann genau habe ich denn angefangen zu warten? War es vor 2 Stunden als ich von meinem Motorbike abstieg und ich seitdem mit meiner Tasche auf dem Schoß dumm rumsitze und Leute anglotze, als ob ich sie nicht mehr alle im Kopf hätte? Wann fängt ein Mensch an zu warten? Ist es die Zeit im Bauch der Mutter, das Warten auf die Geburt? So richtig konnte er keine Antwort finden. Wenn er genau nachdachte war das Warten viel zu vielschichtig. Es reicht nicht nur das momentane Warten zu beschreiben, vielmehr wird jedes Warten nur für einen Moment von einem anderen Warten überlagert ohne zu verschwinden. In Gedanken ging er seine Theorie durch. „Im Moment warte ich hier auf dem staubigen Abstellplatz für alte Busse auf die Abfahrt, aber ich warte genauso darauf im September das Studium zu beginnen oder mich in Zukunft zu verlieben. Genauso warte ich auf den Tag, an dem ich meinen ersten Besuch hier in Kamerun vom Flughafen abholen kann und im Großen und Ganzen besteht das Leben ja aus der Gestaltung der Wartezeit auf den Tod...“ Oh Gott jetzt wird’s aber sehr, sehr merkwürdig, musste er sich selbst eingestehen, obwohl ihm die letzte These gut gefiel.
„Morgens stehe ich auf und warte während des Frühstücks ja nur so darauf zur Arbeit zu gehen. Auf der Arbeit fängt man (also ich auf jeden Fall) dann wieder an auf den Feierabend zu warten. Wenn man dann Nachmittags nach Hause kommt wartet man auf das Essen und nach dem Essen wartet man auf die passende Zeit ins Bett zu gehen und so weiter und so fort.“ Er schaute aus dem Fenster und sah die mittlerweile von der Trockenzeit vergilbten und vom roten Staub gefärbten Grashügel, die sich hinter dem Busbahnhof meilenweit erstreckten. Zwischen dem schier endlosen Gras erhoben sich stellenweise auch einige Bananenbäume, oder waren es Kochbananen? Den Unterschied hatte er nie sehen können. Es war wunderschön, das musste er sich eingestehen und ihm wurde für eine Sekunde klar, dass Warten auch was Befreiendes und Schönes haben kann. Die Sekunde verging zu schnell.
Warten kann verdammt beunruhigend sein, es kann dich stressen und dich nerven, aber im Grunde geht es darum, wie man das Warten in Angriff nimmt – so wie es mit Leben ja auch ist.
Im Warten liegt auch verdammt viel Ruhe und es birgt Gedanken, die man sich vielleicht sonst nie gemacht hätte, genau wie jetzt auch, dachte er sich. Die hohe Kunst ist es, sich seine Wartezeit gut zu gestalten.
Für ihn hieß das sie zu akzeptieren, wie sie kommt. Manchmal kommt das Warten unerwartet und es nervt, man will etwas anderes machen, man will aktiv sein und nicht warten. Manchmal wusste man schon im Voraus, dass man warten muss, aber man kann es in beiden Fällen nicht verhindern. Das Warten ist wie das Leben, man muss akzeptieren, was man nicht ändern kann und das Beste draus machen. Das ist wohl auch der Grund, warum Paul Biya immer noch Präsident ist, dachte er in diesem Moment. Kameruner haben einfach verstanden worum es im Leben geht...
Montag, 9. März 2009
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