Mittwoch, 17. Dezember 2008

Was schon dritter Advent? Wohl doch keine weiße Weihnacht dieses Jahr...

Hey Ihr Lieben,

eigentlich wollte ich warten bis ich in Kribi bin und richtig was zu erzählen habe. Die letzte Woche war nämlich ehrlich gesagt nicht wirklich spannend bis zum Wochenende. Da ja der Strom ausgefallen war den Samstag zuvor und wir das Radioprogramm dort nicht senden konnten, hatten wir uns schlauerweise gedacht es doch diesen Samstag zu machen, was bedeutete, dass unter der Woche nicht wirklich viel zu tun war für das Radioprogramm. Dafür wollten wir in den drei Grundschulen den Unterricht für den ersten Teil des Schuljahrs (also bis zu den Weihnachtsferien) vervollständigen, also alle Module, die wir für den ersten Teil des Schuljahres geplant hatten in den Schulen behandelt haben. Vorwiegend drehten sich die Module des ersten Terms um Themen wie "Mein Körper", "Wie pflege ich meinen Körper?" oder "Was ist eine ausgeglichene Nahrung?". Da wir in einer Schule recht weit vorangeschritten waren (da wir dort 2mal die Woche unterrichten, in den anderen jeweils nur einmal), aber in den anderen beiden noch nicht, mussten wir dort teilweise dann 3 oder 4 Module an einem Tag machen, was bedeutete, dass wir schonmal einen Tag 5 Stunden in der Schule waren, anstelle von den normalen 2-3. Ansonsten ist der Unterricht wirklich anstrengend, ich merke zunehmend, dass ich wirklich an meiner Geduld arbeiten muss und ich verstehe ab letzter Woche jeden Lehrer, den ich jemals genervt habe! Hier eine offizielle Entschuldigung: es tut mir wirklich leid! Ich weiß jetzt wie nervig nervende Schüler sein können!
Als das Wochenende dann da war und ich eine naja nicht so spannende Arbeitswoche mit einem guten Ausblick in die kommenden Tage für beendet erklären konnte stieg meine Stimmung sehr. Freitag konnte ich Janna (DED-Freiwillige) und Gene (ihre amerikanische Mitbewohnerin) aus Limbé, Katharina und Hannah (aus Bafoussam, DED-Freiwillige) empfangen, mit denen ich zusammen auf eine Hochzeit am Samtag Abend eingeladen war (dabei wusste ich nich wer heiratet, aber so ist das nun mal in Kamerun, hauptsache Essen und Trinken und Tanzen;)). Freitag Abend gings dann aber erstmal für uns ins Dreamland Restaurant, wo wir uns in die allwöchentliche VSO (britische Freiwilligenorganisation) Runde eingliederten, bevor wir in den Tropicana Nachtclub gingen, in dem der Junggesellen Abschied vom Bräutigam der am nächsten Tag stattfindenen Hochzeit gefeiert werden sollte. Im Dreamland war es eigentlich recht gemütlich, bisschen teuer für kamerunische Verhältnisse aber naja man gönnt sich ja sonst nix. Nach ein, zwei Stunden fing eine Diskussion darüber an, in der auch Gerald (ein kamerunischer Freund von mir) involviert war, wie die Frauen hier durch das traditionelle Gesetz diskriminiert und dem Mann untergeordnet werden. Vor allem Gene kam mit Gerald darüber in eine heftige Diskussion. Um ins Detail zu gehen: es ging um das traditionelle Gesetz, dass Frauen, wenn sie Hühnchen zubereiten niemals die Innereien essen dürfen, die dem Mann vorbehalten sind. Natürlich war die Diskussion spannend und interessant und so richtig wusste ich nicht, was meine Meinung dazu ist. Natürlich finde ich es nicht tragbar für die Frau und natürlich ist es eine Diskriminierung, aber an dem Abend habe ich gelernt, was es heißt tolerant zu sein und mal sein eigenes Denken und seine eigenen Wertevorstellungen zurückzustellen, um andere ihre Meinung dazulegen. Ich werde mit Gerald da auf keinen gemeinsamen Nenner kommen, das weiß ich. Aber ich weiß jetzt auch, dass meine Meinung nicht die "Richtige" ist und seine nicht die "Falsche",weil es sowas in dieser Frage nicht geben kann. Wenn ich ein so fremdes Land bereise mit einer so fremden Kultur muss ich lernen zu lernen und daz gehört zuzuhören und Dinge anzunehmen, die einem erstmal komisch erscheinen. Wir als Freiwillige werden hier nichts verändern können und unsere westlichen Ansichten sind genauso fremd für Kameruner, wie die ihre für uns, warum dann unsere über deren stellen? Es werden noch viele Momente kommen, in denen ich mir das vor Augen führen muss und man muss es sich wirklich immer zwingen in den Kopf zu rufen. Eine Lektion, die ich gelernt habe.
Zurück zum Abend=) Der Nachtclub war jetzt nicht der Bringer, aber wir hatten alle unseren Spaß bis irgendwann um 3 Uhr Nachts.
Am nächsten Morgen war ich ein wenig zu müde für das Radioprogramm, aber was sein muss, muss ja wohl sein und schließlich hatte ich dafür schon zu viel gearbeitet um es einfach liegenzulassen. Im Radio angekommen musste ich mal wieder einen bitteren Rückschlag erleiden: die Radiostation hatte unser Programm nach hinten verschoben. Leider konnte ich das nicht mit meinem Tagesplan vereinbaren, auch weil ich einfach nichts wusste davon vorher und so ging auch diese Woche das Radio flöten. Für diese Woche werd ich aber nicht wieder das gleiche Radioprogramm spielen wollen sondern arbeite nun an nem Neuen für diesen Samstag. Thema: Human Rights.
Naja jedenfalls war das en ganz schönes Ding sag ich euch, aber so richtig traurig war ich auf der anderen Seite auch nicht um ehrlich zu sein- so konnte ich ein wenig entspannend, bevors zur Hochzeit ging. Die kirchliche Trauung verpasste ich und so ging ich gleich zum Festakt in der Stadt, in ner Riesenhalle. Soviel kostenloses Essen hab ich glaub ich noch nie gesehen. Es ist einfach unglaublich, was Kameruner für Hochzeiten (aber auch für Trauerfeiern oder Beerdigungen) ausgeben, manchmal ihr ganzes Hab und Gut. Man bekommt dann schonmal ein schlechtes Gewissen. Die Hochzeit bestand dann auch aus vielen Reden und Essen, um am Ende noch ein wenig tanzen zu können.
Am Morgen des vierten Advents fuhren Katharina, Hannah und ich nach Bafoussam, um am Abend ein wenig in Hannahs Geburtstag "reinzufeiern", was letztendlich keine Feier war, aber ein sehr sehr gemütliches Abendessen mit einem Film zum Abschluss. Der Sonntag war eh sehr entspannend, was echt mal wieder gut war und auch Montag morgen bis zum Mittag, an dem ich zurück nach Bamenda musste, waren einfach schön. Haben im Bett geschimmelt und "Türkisch für Anfänger" geguckt=)...
Die letzten Tage waren dann auch noch okay, aber ich merke, dass ich nach Kribi muss um eifnach mal abzuschalten. Es ist nicht unbedingt so, dass die Arbeit mich überanstrengend oder das Klima, es ist einfach anstrengend den ganzen Tag in einer fremden Sprache denken und neue Eindrücke verarbeiten zu müssen. Ich wache mittlerweile jeden Morgen sau müde auf, obwohl ich um 10 im Bett liege. Darum freu ich mich jetzt riesig auf Montag, wenns dann endlich losgeht, aber auch auf Samstag, wenn die nächste Hochzeit ansteht und auf Sonntag, wenn ich Caties Mutter treffe, die gerade hier zu Besuch ist!
Ich hoffe euch alles gehts gut, ich wünsch euch nen guten vierten Advent und fröhlichste Weihnachten wenn wir uns nicht mehr sprechen vorher=)
Alles Beste,
Niels aus Bamenda

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