Dienstag, 2. Dezember 2008

Von kaputten Bussen, traditionellen Festen, betrunkenen Taxifahrern und viele guten Freundschaften

Hey Ihr Alle!

Das is seit langem wieder der erste Blog, den ich sozusagen live ins Internet schreibe und nicht vorschreiben muss, um ihn dann mit dem USB Stick im Internet Cafe reinzustellen. Wir haben naemlich endlich, endlich Internet im Office, zumindestens an einem Computer!
Jetzt sitz ich hier um sechs Uhr abends und nutze das auch erstmal aus euch von meinem Wochenende zu schreiben, das sehr sehr erreignisreich war...

Nachdem die Woche wirklich gut geendet hatte und ich am Donnerstag das erste Mal das Website Training bei Steve (einem VSO- Volunteer) besuchen konnte und danach das ganze Youth Outreach Team Patience Geburtstag in einem Restaurant gefeiert hat, was wirklich sehr schoen war, fuhr ich Freitag Mittag nach Bafoussam, wo ich eigentlich, nach meiner Planung, um ca. 2 uhr ankommen sollte.
Aber weil Planen in Kamerun nicht so in Mode ist, sollte es natuerlich nicht nach meinem Zeitplan laufen. Anfangs war ich noch guter Dinge, nur eine Stunde Wartezeit bis der Bus losfuhr, das is wirklich sehr gut! Doch nach 10 km sollte sich meine Hochstimmung in Hinblick auf meine Zeitplanung und meine Vorfreude auf Baham und Nico schlagartig in Verzweiflung umschlagen.
Das Gleiche, was uns mit dem DED Bus auf dem Weg vonYaounde nach Bamenda passierte, musste natuerlich jetzt meinem schoenen Buschtaxi passieren. Nach nur 10 km!!
Gut, alle raus aus dem Bus. Was nun, dachte ich mir und sah mich um. Ich war irgendwo, aber garantiert nicht da, wo ich hingehoerte. Aber weil kamerunische "Planung" nicht nur Nachteile hat, sondern auch mit sich bringt, das man einfach in irgendeinen Bus steigen kann, wenn noch Plaetze frei sind, konnte ich den naechstbesten Bus nehmen, zwar auf Bezahlung von weiteren umgerechnet 1,50 euro aber okay, was goennt man sich nicht alles...
Nach ca. 5 1/2 Stunden Fahrt(!), die eignetlich nur 2 Stunden lang sein sollte, kam ich dann auch endlich in Baham an, wo ich Nico und Jannik in einer Bar traf, zusammen mit ein paar kamerunischen Freunden von Nico. Den Abend entspannten wir eigentlich groesstenteils, da wir ja morgens ganz frueh nach Foumban aufbrechen wollten, wo ein grosses traditionelles Fest stattfinden sollte. Foumban, nur das nebenbei, ist die groesste traditionelle Stadt Kameruns, was auch immer das bedeutet, hab ich heut zufaellig in einem Heft im Klassenraum der einen Grundschule gelesen=) es wird wohl das Koenigreich Foumban sein, was mit das Groesste im Land ist und auch das traditionelle Handwerk soll riesig verbreitet sein in dem kleinen Staedtchen.
Um das alles mit eigenen Augen zu sehen, machten wir uns Samstag morgen auf den Weg. Eigentlich hatten wir damit gerechnet auch mit Katharina, Hannah, Moni (aus Bafoussam) und Lea (aus Buea) hinzufahren, aber die Maedels kniffen aus gesundheitlichen Gruenden, sodass wir drei Jungs auf uns alleine gestellt waren. Wir haderten lange, weil wir nicht wussten, wie wir nach Foumban kommen sollten. Eigentlich weniger mit grosser Hoffnung fragten wir unseren Taxifahrer der uns eigentlich nur von Baham nach Bafoussam bringen sollte, ob der nich auch gleich weiterfahren koennte nach Foumban (was eine Stunde entfernt liegt). Er machte es fuer einen verhandelten Preis von 20 000 Francs (30 Euro) was viel zu viel war, aber das Fest in Foumban sollte es wert sein...
Dort sicher angekommen konnten wir noch die Eroeffnungszeremonie im Palast mitbekommen, bevor alle Leute ins benachbarte Stadion zogen und wir uns einfach anschlossen. Im Stadion selbst schien dann jeder einen festen Sitzplatz zu haben, ausser die drei deutschen Vertreter in Gestalt von Nico, Jannik und mir. Hilflos hielten wir uns an einen Guard, dem wir erklaerten dass wir ja eigentlich gar keine Eintrittskarten hatten und dementsprechend auch nicht wussten wo wir eigentlich sitzen koennen. Mal wieder erfreute mich dieses Land, das so Dinge einfach anders angeht. Anstatt uns einfach vor die Tuer zu setzen bekamen wir wirklich gute Stehplaetze auf dem Podest, von dem wir aus die ueberaus interessante traditionelle koenigliche Zeremonie verfolgen konnten.
Nach vielen Reden ( ein Hauptbestandteil des Festes waren nicht die von uns erwarteten traditionellen Taenze sondern die Chance der Bevoelkerung dem Koenig ihre Sorgen und Wuensche vorzutragen, auch interessant), der Opferung einer Ziege und vielem Gesang konnten wir einfach nicht mehr fuer das abschliessende Schiessen stehenbleiben, es ging nach 4 stunden einfach nicht mehr.
Vom Stadion quaelten wir uns durch riesen Menschenmassen zu einem Ort zum Essen, den wir nach verzweifelter Suche auc hirgendwann fanden. Das Essen selbst war nicht so schlecht, wenn man die hygienischen Bedingungen mal ausser Acht laesst, aber dass der Preis desselben auf Verhandlungsbasis ausgelegt war wussten wir nicht und umso erstaunter waren wir als der Kellner uns fuer drei Portionen Cous-Cous und ein wenig Fleisch 9000 Francs (14 Euro) berechnen wollte. Nach starker Verhandlung landeten wir schliesslich bei 3000 Francs, was glaub ich immer noch zuviel war aber okay. Das war schon sehr sehr interessant. 9000 Francs fuer Cous Cous, tse sowas gibts...
Ansonsten konnten wir den Rest des Nachmittags noch ein paar traditionelle Handwerkslaeden besuchen, bevor wir unseren Taxifahrer trafen. Mir schien schon der Blick den er hatte, als er uns begruesste nich ganz geheuer zu sein und der erste Verdacht, dass er womoeglich betrunken ist, sollte sich dann auch spaeter auf der Fahrt bestaetigen. Ihr glaubt nicht, was ich fuer eine Angst hatte in diesem Taxi. Die Fahrt zurueck teilte ich glaub ich rein instinktiv in Ueberlebensetappen ein. Die Erste war lebend aus dem Stadtverkehr in Foumban rauszukommen, was wir irgendwie schafften, aber ich sage euch, nur sehr sehr knapp. Auf der zweiten weitaus groesseren Etappe, der Landstrasse zwischen Foumban und Bafoussam, kam die Angst dann wirklich an die Oberflaeche. Nach vielen geschnittenen Kurven und der Durchschnittsgeschwindigkeit von 120 km/h konnten wir ihn letztendlich gluecklicherweise dazu ueberreden doch bitte nicht schneller als 80 zu fahren, was er auch mit Muehe und mehrmaliger Aufforderung dann auch tat. Die letzte Etappe war dann noch der Stadtverkehr in Bafoussam, den wir durch tausend Schlagloecher hinweg auch ueberlebten. Ich war noch nie so froh aus einem Taxi zu steigen!!
Lebend also angekommen fuhren wir zu Monika, wo wir ihren Geburtstag nachfeierten und echt gutes Essen geniessen konnten. Der Abend war dann auch ganz gut und so gingen wir zufrieden zu Bett, und vor allem wir Jungs waren froh diese Nacht noch lebend mitzubekommen und teilten uns dementsprechend sehr gerne eine zu kleine Matratze und Decke.
Sonntag fuhr ich dann mit den VSO Freiwilligen die auch in Bafoussam waren, also auch Alex und Charmain, meine Mitbewohner, zurueck waehrend die anderen noch den Tag an einem Wasserfall ausserhalb von Bafoussam geniessen konnten, aber dazu hatte ich leider nicht die Zeit, welche bestimmt noch kommen wird dieses Jahr.
Die Woche ist bis jetzt ganz angenehm, hab relativ viel zu tun, vor allem fuer das Radio, das ich diese Woche alleine auf die Beine stellen muss. Deswegen war ich heut, neben dem Unterricht in den Schulen auch viel unterwegs um Interviews zu machen. Das Thema diese Woche: International Volunteering Day, der am Freitag ist.
Ansonsten werd ich am Donnerstag wieder das Website Training besuchen und wenn wir dann die naechsten Wochen auch Internet in die einzelnen Raeume kriegen kann ich endlich anfangen wirklich in das Homepagedesign einzusteigen, da freu ich mich riesig drauf. Jetzt werd ich den Abend noch ruhig ausklingen lassen.
Ich hoffe ihr hattet alle einen schoenen ersten Advent, der ein wenig weihnachtlicher war als meiner hier bei 30 Grad im Schatten. Weihnachten verbringe ich ja wie ihr wisst am Strand in Kribi, was jetzt nur noch 3 Wochen weg ist. Das wird richtig schoen glaube ich. Es ist toll zu wissen, dass da noch 8 andere DED Freiwillige in Kamerun sind und wir uns alle so gut verstehen. Ich glaube Kribi und danach Silvester in Limbe wird eine richtig gute Sache fuer uns alle!
Ich wuensche euch das Beste und lass euch die liebsten Gruesse hier!
Bald mehr vom Niels aus Bamenda

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