Hey Ihr,
etwas verspätet aber mit sehr vielen Dingen zu erzählen mal wieder ein kleiner Blogeintrag meinerseits. Gerade sitz ich mit Kulli und Block in einem überladenen Reisebus kamerunischen Standards und schreibe euch während ich an Bananen- und Papajaplantagen vorbeifahre und mich halb totschwitze.
Aber erstmal zum Anfang der Woche, die mit dem Beginn unseres Unterrichtsprogramms in den Grundschulen anfing. Den Morgen über war ich nicht so gut drauf und vielleicht ein wenig aufgeregt das erste Mal überhaupt eine Klasse zu unterrichten und dann auch noch eine kamerunische. Die erste Unterrichtslektion sollte „My Head“ sein und eine allgemeine Einleitung zum Thema „Me and My Body“, um die Kinder über ihren Körper und darüber aufzuklären, wie man für seinen Körper sorgt. Am ersten Tag hatten wir dann nur eine Stunde, weil Klasse 5 und 6, die wir eigentlich unterrichten, in dieser Schule zusammengelegt sind. Es war alles noch sehr neu und ich bin ja wirklich nicht erfahren in solchen Dingen, daher war die Stunde jetzt nich der Hammer, aber doch besser als ich gedacht hätte und wir, also Yvonne und ich, gingen mit einem besseren Gefühl raus, als ich es zumindestens vorher gedacht hatte. Es war auch für das erste Mal ganz gut glaube ich. Mittags hab ich mich dann mit Cathrine getroffen, einer Mainzerin, die in Bamenda ein dreimonatiges Praktikum absolviert hat und letzten Freitag nach Deutschland zurückgeflogen ist. Sind ein bisschen über den Markt geschlendert und haben uns dann noch in eine Bar gesetzt, in der uns eine ganze Stunde lang ein betrunkener Kameruner irgendwas erzählen wollte – naja einfach ignorieren sag ich da mal. Am Abend haben Alex, Charmain und ich noch zusammen gekocht bevor wir alle relativ früh ins Bett gefallen sind. Ich glaub die Beiden haben echt viel Arbeit, zumindestens Alex. Hoffe dass das bei mir auch irgendwann so wird in nächster Zeit.
Dienstag morgen gings dann in eine andere Schule und somit in neue Klassen. Das Thema war dasselbe, den Kindern die verschiedenen Bestandteile ihres Kopfes näherzubringen. Die Stunde war dann auch besser als die am Montag, so dass wir zufrieden die Schule verlassen konnten nach zwei guten aber anstrengenden Schulstunden. Ansonsten war der Tag nicht sehr spannend. Hab mich noch kurz mit den vier Mädels getroffen und wir sind zusammen in die Stadt gegangen. Abends hab ich dann noch ein wenig zuhause rumgehangen und was gelesen, bevors zu Bett ging.
Mittwoch und Donnerstag, ja das waren schon so Tage. Mittwoch war gut, Donnerstag der absolute Tiefpunkt. Der Unterricht am Mittwoch war mit Abstand der Beste der Woche und es machte wirklich Spass, weil wir endlich richtig eingespielt waren. Nach der Schule bin ich noch kurz in die Stadt um Cathrine eigentlich das letzte Mal zu treffen, bevor sie zurückfliegt, aber es sollte nich das letzte Mal gewesen sein, aber dazu später=).. Jedenfalls bin ich nach der Stadt noch mit Alex und Charmain essen gegangen, was auch wirklich ziemlich schön und gut war, bevor wir abends mithilfe von Charmains tragbarem DVD Player Kill Bill geguckt haben, was zumindestens mein Sicherheitsgefühl in der Wohnung nicht gesteigert hat, aber okay.
Donnerstagmorgen begann schon schlecht mit Heimweh und wurde leider durch den Unterricht auch nicht besser. Obwohl es wieder die gleichen Klassen waren wie den Tag zuvor, an dem es wirklich gut lief, schockierte mich an dem Tag die krasse Lese- und Schreibschwäche der Kinder, vor allem in Klasse 5. Entweder hatte ich das den Tag vorher einfach ausgeblendet oder übersehen, jedenfalls konnten von 27 Kindern bestimmt 23 ihren Namen nicht schreiben. Im Moment beschäftigt mich das total, weil man sich dann schon denkt, wieviel mein Unterricht eigentlich bringt, wenn die Kinder noch nicht einmal die Grundlagen drauf haben. Der Tag war einfach sau demotivierend und demoralisierend, weil man sich ja schon wünscht das alles verändern zu können, aber man einfach hilflos ist. Mit dem Gefühl kam dann auch wieder das Heimweh und eigentlich war der Tag dann gelaufen. Irgendwann Nachmittags hat es dann auch noch angefangen zu regnen, was zu der Jahreszeit jetzt eigentlich nicht mehr vorkommen sollte, aber an dem Tag dann doch noch bis Freitagmorgen (!) anhalten sollte. Bin dann abends im Regen zu Lea gefahren, um bei ihr zu übernachten, weil wir Freitagmoren relativ früh nach Buea aufbrechen wollten. Ich glaube so Tage wie diesen muss ich wirklich lernen abzuhaken und weiter zu machen, obwohl das leichter gesagt als getan ist.
Nach einem guten Frühstück bei Lea sind wir dann nach 1 ½ Stunden Wartezeit mit dem Bus nach Buea aufgebrochen, um in Buea Jannik und Lea und dann Janna in Limbé zu besuchen, die wir seit 6 Wochen schon nicht mehr gesehen hatten. Und natürlich um wieder das Meer zu sehen und einfach mal ein wenig am Strand zu entspannen. Tja nochmal zurück zu Cathrine und dem eigentlich letzten Treffen Mittwoch Nachmittag. Genau neben uns im Bus saß bis Douala Cathrine, die auf dem Weg zum Flughafen war, um nach Deutschland zurückzufliegen, ein ziemlicher Zufall aber auch noch mal sehr schön.
Die Fahrt war dann wirklich der Hammer. Der Bus war für kamerunische Verhältnisse richtig gut mit viel Platz, ich hatte dazu noch einen Fensterplatz und konnte die faszinierende Landschaft und vor allem die Veränderung der Landschaft von Gebirge zu Flachland und Küste die ganze Fahrt über genießen. Nachdem wir das Gebirge über Serpentinen verlassen und die letzten Wasserfälle hinter uns gelassen hatten, passierten wir im Flachland Riesenplantagen, von Bananen über Papajas und Kautschukbäumen bishin zu Kokosnüssen war alles dabei, bevor wir in Douala Cathrine dann wirklich verabschieden mussten. Kurz vor Buea mussten wir dann aussteigen, weil der Bus weiter nach Limbe fahren sollte und wir einen anderen nehmen sollten, den es aber leider gerade nicht gab. Getreu dem Namen unserer Reiseagentur (Garantie – Express) kamen wir dann doch nach insgesamt 8 Stunden Fahrt (für 350 Kilometer) mit dem Taxi in Buea an, wo wir von Jannik und Nico, der schon früher aus Bafoussam angekommen war, abgeholt wurden. In Janniks und Leas Wohnung waren wir dann fast alle wieder beisammen, die zusammen nach Kamerun gekommen waren. Nur Hannah und Moni wurden schmerzlichst vermisst, aber in 6 Wochen werden wir wirklich alle zusammen Weihnachten und Silvester zusammen verbringen können. Nach ein paar Bier in ner Bar um die Ecke ließen wir den Abend damit ausklingen um Samstagmorgen möglichst früh nach Limbé an den Strand aufbrechen zu können. Nach 30minütiger Taxifahrt kamen wir dann auch am Etisah Beach an, der alle, die ihn noch nicht vorher kannten, erstmal in Staunen versetzte. Einfach wunderschön natürlicher Strand mit schwarzem Sand und Palmen, was will man mehr? Auch das Meer war herrlich, zwar nicht wirklich erfrischend, weil ziemlich warm, aber nach 4 Monaten wieder im atlantischen Ozean schwimmen tat schon sehr sehr gut. Ansonsten entspannten wir am Strand und konnten ein wenig die Gespräche nachholen, die wir 6 Wochen lang höchstens über Telefon führen konnten.
Okay gleich schreib ich weiter, gibt jetzt ne kleine Pause auf dem Weg....
So etwas gestärkt und weiter geht’s..
Nach dem Strand an dem wir ca. 7 Stunden verbrachten, fuhren wir nach Limbé rein um im botanischen Garten essen zu gehen. Bisher war ich hier in keinem teureren Restaurant , das war schon ganz schöner Luxus, aber das muss man sich ja auch mal gönnen, vor allem weil der ganze Abend noch sehr luxuriös werden sollte. Nach dem Essen gings zu Janna und Gene, ihrer ziemlich netten amerikanischen Mitbewohnerin, um sich für den Nachtclub fertig zu machen, in dem wir dann später Nicos Geburtstag feiern konnten. Um Punkt Zwölf waren wir noch in der Bar vor dem Nachtclub und die Band spielte Happy Birthday, was ziemlich schön war. Naja die Nacht entwickelte sich dann sehr lustig und eben etwas lange, sodass wir Nicos Geburtstagsfrühstück am Sonntag erst um Zwölf abhalten konnten und sehr spät an den Strand kamen, aber besser spät als nie.
Obwohl auch der Sonntag sehr sehr schön war wurde uns natürlich allen bewusst dass wir am nächsten Tag wieder für sechs Wochen getrennt sein würden (zumindestens die Leute aus Buea und Limbe), was schon sehr schade ist. Andererseits wurde mir über das Wochenende nochmal bewusster, wie wichtig es ist dass die anderen hier sind und dass wir die Möglichkeit haben uns so relativ oft zu sehen. Es ist gut jemanden hier zu kennen, der das gleiche durchmacht und der einen hundertprozentig verstehen kann, wenns mal schwere Zeiten gibt.
Mit dem Wissen fahr ich jetzt auch gerade zusammen mit Katharina und Nico aus Bafoussam und Lea zurück. Bin mal gespannt wie die Woche wird, vor allem der Unterricht beschäftigt mich. Das Wochenende ist wieder durchgeplant weil endlich Katharina, Moni und Hannah uns hier in Bamenda besuchen kommen. Eine weitere kleine Nachricht gibt’s dann wieder nächste Woche. Hoffe ihr haltet die Ohren steif!
Die besten Grüße aus Bamenda, Niels
Dienstag, 11. November 2008
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