Donnerstag, 20. August 2009

Last Time...Next Time?!

Hey Ihr Alle,

lang lang ists her dass ich geschrieben hab und das hat nie alles und immer viele Gründe. Es ist so viel passiert hier und meine Zeit läuft langsam ab. Daher hab ich die letzten Wochen und Monaten meine Blogaktivitäten runtergefahren, um mich auf das hier und jetzt ein wenig besser konzentrieren zu können, was sich muss ich zugeben, auch gelohnt hat. Also es tut mir leid, dass hier so wenig Info über mich und meine letzte Zeit in Kamerun zu bekommen was, aber auch der helepforchildren Blog hat ja ein wenig berichtet.

Nichtsdestotrotz will ich hiermit nochmal zum Abschluss meiner Zeit ein wenig Revue passieren lassen. Ich kann als erstes einmal sagen, dass meine Zeit hier mit der Zeit (Zeit ist sowieso das Schlagwort!) immer besser und schöner wurde. Das liegt natürlich einerseits an der Eingewöhnung, die immer aktiver und intensiver wird, aber auch an den kleinen Veränderungen in der eigenen Entwicklung. Das hört sich kompliziert an ist es aber nicht. Veränderungen, die ich in der Hinsicht an mir selbst gespürt hab sind vorwiegend einfach Veränderungen in der Sichtweise und Herangehensweise an gewisse Dinge wie kulturelle Unterschiede oder eigene Erwartungshaltungen. Auch meine Erwartungen meinem Jahr und meiner Arbeit hier gegenüber haben sich stark verändert, vorwiegend wurden sie realistischer. Oft musste ich einsehen, dass ich so viele Dinge, die ich vorhatte und erreichen wollte einfach nicht erreichen kann. Diese Einsicht hat mir ebenfalls geholfen die letzten Wochen zu genießen und ist mir das Wichtigste an Lernprozess was ich wieder mit nach Deutschland nehme, falls ich es schaffe es dort umzusetzen.

Naja also nochmal kurz zurück zu den ganzen Dingen, die in den letzten Wochen passiert sind. Im Juni kamen Jan und Lars aus Deutschland und die drei Wochen mit ihnen waren der Hammer. Eigentlich reicht es das auf die Erkenntnis zu schieben, dass Alles noch so war wie immer/früher. Wir konnten zusammen Scheiße labern, lachen, Party machen oder einfach entspannen/gammeln als wären wir niemals für Monate getrennt gewesen. Der einzige Unterschied war, dass Gießen jetzt Bamenda und Deutschland jetzt Kamerun hieß. Ansonsten war alles beim Alten. Lars und Jan konnten dann auch noch den Abschluss meines „Sexualkunde“Projekts („Live Safe Play Safe“) miterleben, da die Grundschulen seit Juni in den Sommerferien sind. Ohne viel zu arbeiten waren die letzten Wochen in den Schulen sehr schön. Da ich auch die letzte Klasse der Grundschule, Klasse 6 hier, unterrichtete konnte ich ebenfalls zusammen mit Jan und Lars die Verabschiedung der Sechstklässer der Catholic School Mendankwe miterleben und sogar eigenhändig die Zeugnisse austeilen. Die Feiern hier nach der Grundschule sind riesig und vergleichbar fast mit kleinen Abifeiern, was beeindruckend ist. Für meine Schüler hatte ich noch kleine Klassenbilder vorbereitet mit freundlicher Hilfe meiner Mutter und Jan, die ich noch verteilte, was ein schönes Gefühl war, weil sich alle total gefreut haben.
Zusammen mit Jan besuchte ich dann noch den Königspalast im benachbarten Bali, was zur deutschen Kolonialzeit (1885 – 1916) zusammen mit den Deutschen gegen andere Stämme gekämpft hatte. Der aktuelle König (hier „Fon“ genannt), ganz nach Tradition, studierte sogar in Deutschland und hat ebenfalls noch Kinder dort. Leider konnten wir ihn nicht treffen, dafür aber seinen schönen Palast. Vom Palast aus liefen wir zum ortsansässigen Kunsthandwerkszentrum, wo wir unglaubliches ja was sonst Kunsthandwerk bestaunen konnten. Hier trafen wir auch auf handgeschnitzte Klappstühle mit eingravierten Schriftzügen, denen wir schon in Douala in der deutschen Seemannsmission begegnet waren. Es scheint als ob Bali nicht nur das Zentrum für Kunsthandwerk im Nordwesten Kameruns ist. Jan und ich chillten uns danach noch eine Stunde auf einen alten Holzstamm und genossen den wunderschönen Ausblick auf das grüne Grasland Kameruns.

Nach zwei Wochen Bamenda fuhren Jan, Lars und ich dann noch nach Kribi, wo wir auch Katharina, die DED Freiwillige in Bafoussam, und ihren Freund der zu Besuch dort war trafen. Im Süden Kameruns konnten wir die letzte Woche bei wechselndem Wetter entspannen. Wie immer war der Abschied traurig aber auf eine sehr begrenzte Zeit, was es auf jeden Fall einfacher machte.

Da die Grundschulen nun ja in den Sommerferien waren hatte ich eigentlich „nur“ noch das Radioprogramm als Aufgabe, was mir aber sehr entgegenkam. So hatte ich viel mehr Zeit Leute z treffen und konnte neue Bekanntschaften schließen wie z.B.Justin ein amerikanischer Freiwilliger hier in Bamenda, mit dem ich nun einiges meiner Zeit hier verbracht hab.
Nachdem ich Jan und Lars in Douala verabschiedet hatte fuhr ich übers Wochenende nach Buea wo ich Jannik und Lea besuchte und ihnen etwas unfreiwillig helfen durfte die Grundschule ihrer NGO (United Action for Children), die auch Teil des „helepforchildren“ Projekts ist, neu zu bepflanzen. Das Wochenende war sehr schön und ich genoss die Zeit mit den Freiwilligen in Buea, die mittlerweile auf 10 (!!) angestiegen war mit Freiwilligen aus England und den USA.

Zurück in Bamenda organisierte ich ein Radioprogramm über die „Sommeraktivitäten des Youth Outreach Programme“, meiner NGO, das dann leider Samstags nicht gesendet werden konnte aufgrund eines Stromausfalls (bestimmt schon das vierte Mal...). So waren Nji, Elizabeth, die ich in Buea kennengelernt hatte und mich übers Wochenende in Bamenda besuchte, und ich umsonst zum Studio gefahren. Dinge mit denen ich mich in Deutschland nie zufrieden gegeben hätte hier aber mittlerweile als Arbeitsrisiko einordne..
Das Wochenende war richtig schön. Zusammen mit Elizabeth besuchte ich eine kleine Party von Marcy und Karly, zwei kanadischen Freiwilligen in Bamenda, zum kanadischen Nationalfeiertag. Danach gings ins Handicraft Zentrum von Bamenda, wo Elizabeth sich satt kaufen konnte und ich fast eine Stunde brauchte, um auf die Toilette zu gehen, da diese verschlossen war und letztendlich nur mit einer Machete aufgebrochen werden konnte.
Sonntag fuhren Elizabeth und ich nach Ndop in die Nähe Bamendas, wo wir einfach loswanderten und schließlich durch Mais- und Bananenfelder einen Berg erklommen hatten auf dem wir unser kleines Picknick veranstalten konnten.

Das Wochenende darauf waren dann auch schon Janna, Nico, Jannik, Lea und ihr Bruder aus Deutschland in Bamenda, um die Nutzung der Gelder vom Benefizkonzert in Lich zu besprechen.
Nach gelungenem Meeting genossen wir die Zeit zusammen und schon wieder fand ich mich im Handicraft wieder was wohl der „Touristenmagnet“ in Bamenda ist. Nach dem Wochenende kam Elizabeth für fast eine Woche nach Bamenda, was sehr schön war. Zusammen fuhren wir Sonntags nach Bafut in den Palast (wo ich mittlerweile schon dreimal war und die Führung praktisch alleine machen könnte=)) nachdem wir Samstags Lea's Abschied bei uns zuhause gefeiert hatten mit gegrilltem Fisch, gutem Bier und vielen Leuten. Der Palast in Bafut war mal wieder eine Augenweide und irgendwie war es schon wieder sonnig wie immer wenn ich in Bafut bin. Eigentlich bin ich ja nicht abergläubisch, aber in Bafut scheint immer die Sonne!
Nachdem Beth wieder gefahren war begann ich mit den sogenannten „Peer Educators“ meiner Organisation (also Jugendliche, die während der Sommerferien als Freiwillige Aktivitäten planen und somit ihr Wissen, das sie in Workshops zu Themen wie HIV oder Good Governance erlangt haben, an ihre „Peers“, also Freunde, weitergeben sollen) zwei Radioprogramme zum Thema „GCE“ (was das kamerunische Abitur ist) und „Goal Setting“ (Zielsetzung) zu organisieren. Die „Peers“ erstellten Questionnaires (Fragebögen) und führten Interviews aus, die ich danach schnitt. War mal ganz interessant nur im Hintergrund zu agieren.
Das Wochenende darauf fuhr ich nach Buea wo ich Elizabeth besuchen wollte, aber auch die Projekte (UAC in Buea und Janna's Waisenhausprojekt in Limbe) die wir mit dem „helepforchildren“ Projekt unterstützen wollen besuchte. In dem Rahmen konnte ich mir die zwei Waisenhäuser ansehen (inklusive eine Schneckenfarm und Pilzzucht), die ich auch schon im Februar im Rahmen der Filmtour besucht hatte, was ziemlich interessant war. Bei „UAC“ sprach ich mit Jannik über die geplante Wasserleitung die UAC für die eigene Grundschule verlegen lassen will und wofür es noch schwer an Mitteln fehlt. (Näheres dazu unter www.helepforchildren.blogspot.com)

Nach einem mal wieder traurigen Abschied von Elitabeth, da diese in die USA zurückflog, fuhr ich wieder nach Bamenda, wo mir nur ein Tag blieb um meine gesamte Wäsche zu waschen und wieder zu packen, um Samstags nach Yaoundé zu fahren, wo wir Montags und Dienstags unser Abschlussseminar haben sollten. In Yaoundé traf ich die anderen Janna, Lea, Katharina, Hannah und Jannik, mit denen ich den Luxus Yaoundés gleich ausnutzte und Pizza essen ging.
Das Seminar verlief ziemlich gut und die katholische Mission, in der wir untergebracht waren und unser Seminar abhielten, war richtig gut – vor allem das Essen.
Nach nur zwei Seminartagen voller Evaluation (mit Basteln von Filmplakaten und Diskussionen mit kamerunischen Jugendlichen) hatten wir Dienstag mal wieder einen Abschiedsabend, da wir Sonja, die uns über das Jahr hin begleitet hatte, vor unserem Abflug nicht mehr sehen sollten. Dafür gönnten wir uns dann auch mal Cocktails im Hilton, die ich der Form ewig nicht mehr hatte.

Die letzten zwei Wochen in Bamenda verliefen entspannt. Moni und Nico kamen nochmal zu Besuch für fast eine Woche, was sehr schön war und jetzt geht es langsam auf die letzten Tage zu. Letzte Woche verabschiedete ich mich von den deutschen Freiwilligen, Sarah, Neele, Lina und Caro, hier in Bamenda, mit denen ich relativ viel Zeit verbracht hatte. Sie sind jetzt schon wieder zurück in Deutschland. Die letzten Tage werden voll sein mit Abschieden und hoffentlich schönen letzten Momenten mit den Leuten, die mir hier wirklich ans Herz gewachsen sind.

Viele Leute fragen mich in den letzten Wochen, was ich denn nun gelernt hätte in Kamerun. Die Antwort würde viel zu viel Platz wegnehmen und die Lust alles das aufzuschreiben hab ich jetzt auch nicht. Das Wichtigste was ich für mich selbst mitnehme aus den Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, hat viel damit zu tun, dass ich sehr viel über mich selbst nachgedacht habe, mehr als ich es schon in Deutschland getan habe.
Geduld habe ich im Ansatz (nur im Ansatz!=)) und möchte das gerne ausbauen, aber vor allem habe ich erfahren, was es heißt etwas von sich zu erwarten und mit welcher Verantwortung man etwas von sich erwarten sollte. Meine Erwartungen an mich selber hier waren oft viel zu groß und ich musste oft gegen mich selber kämpfen um zufrieden zu sein, auch wenn ich nicht alle meine Erwartungen erfüllt hatte. Ich glaube die Erkenntnis, dass ich gar nicht viel von mir erwarten muss um glücklich zu sein ist das Beste, was ich für mich hieraus mitnehmen kann.
Die letzten Wochen und Monate waren noch sehr erlebnisreich und schön. Viele Stunden meiner Zeit konnte ich mit Leuten, die mir wichtig sind teilen, was wohl das Wichtigste ist.
Manchmal zweifle ich noch an mir, aber ich denke ich werde zufrieden nach Deutschland zurückkommen und mit der Erkenntnis im Kopf, die ich hier in Kamerun als Lebensmotto gefunden habe: „Das Glück kommt immer, wenn du nicht danach suchst.“

Niels in Bamenda

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