Mittwoch, 7. Januar 2009

Zurück Im Alltag

Hey Ihr!
Boah endlich komm ich mal wieder zum Schreiben auch wenns nich solang sein wird heute, weil ich sehr müde bin. Da fang ich doch gleich mal an zu erzählen warum ich müde bin. War gestern abend bei Steve, einem VSO (britische Freiwilligenorganisation) Freiwilligen zum Abendessen eingeladen, genau wie Lea auch. Er ist gestern Onkel geworden und dann hatten wir ein wenig was zu feiern zusätzlich zu dem sehr guten Pasta-Abendessen. Das hat sich dann auch in die Länge gezogen das Feiern bis wir schließlich gegen 12 ins Bett sind, was für kamerunische Verhältnisse ja schon fast wieder morgens ist=) Heut morgen war ich dementsprechend angeschlagen, obwohl der richtige Tiefpunkt erst später kam. Allein schon, dass ich euch das alles hier schreibe zeugt von meiner geistigen Überanstrengung durch Müdigkeit, denn eigentlich wollte ich doch was ganz anderes schreiben.
Seit Sonntag bin ich wieder in Bamenda nach einer elend langen Busfahrt (8 Stunden für 340 Kilometer! Das is auch nur in Kamerun möglich, die fahren irgendwie rückwärts hab ich das Gefühl manchmal=)) und nach 2 Wochen sehr sehr schönem Urlaub in Kribi!
In Bamenda angekommen hab ich erst richtig realisieren können, was da eigentlich die letzten 2 Wochen los war und was ich jetzt sehr vermissen werde/ im Moment vermisse.
Sonntag vor 2 Wochen begann der Urlaub, nachdem ich am Samstag noch mein Radioprogramm über Menschenrechte machen musste, was richtig richtig gut gelaufen ist, ohne mich hier selbst zu loben, aber es hat sehr viel Spaß gemacht ein solch heikles Thema in Kamerun anzusprechen und dazu noch mit einem Studiogast (einem Anwalt den ich jetzt auch ein wenig kennengelernt habe). Jedenfalls kam am Sonntag danach Nico aus Bafoussam, damit wir am nächsten Morgen zusammen nach Limbé, unserer Zwischenstation nach Kribi, aufbrechen konnten. Nach einer relativ kurzen Nacht gings dann am Morgen auch los runter in die Stadt zur unglaublich verlässlichen Garanti- Express Agentur (der Name ist Programm=)). Wir kauften unsere Tickets und bemerkten, dass wir noch 2 Stunden auf den Bus warten mussten, naja eigentlich eine ganz annehmbare Zeit für Kamerun. Nachdem wir uns mit Cola gestärkt hatten gings dann auch endlich los, mit Sack und Pack nach Limbé.
Um 10 Uhr gestartet erreichten wir Limbé gegen 17 Uhr, wo wir schleunigst Janna, die dort arbeitenden DED-Freiwillige, in ihrem Büro aufsuchten, in dem Nico erstmal die Gelegenheit nutzte und die dort gefundene Gitarre benutzte um uns mit schönen Klängen auf den Urlaub einzustimmen=). Vom Büro gingen wir in Jannas Wohnung wo wir uns „frischmachten“, bevor wir in einem sehr schönen Restaurant mit Blick auf das Meer zu Abend aßen. Am nächsten Morgen gings richtig früh los, um 7 hatten wir ein Taxi nach Douala gefunden, von wo aus wir einen Bus nach Kribi nehmen und die anderen 4 (Hannah, Katharina, Jannik und Lea) treffen wollten. Glücklich wie wir waren machten wir uns also auf die Reise, die so einfach nicht weiterverlaufen sollte. Während der Fahrt, es war an der ersten von 2 Polizeikontrollen, bemerkte Lea, dass sie ihren Reisepass nicht dabeihatte, sondern ihn bei Janna in der Wohnung liegengelassen hatte. Irgendwie schafften wir es die zwei Kontrollen zu passieren ohne Probleme zu bekommen und kurz vor Douala standen wir vor der Frage, ob wir es ohne Pass riskieren wollten nach Kribi zu kommen oder ob zwei von uns umkehren und den Pass in Limbé holen sollten. Letztendlich riet uns der Fahrer dazu den Pass auf jeden Fall zu holen, sodass Nico und Lea in Douala auf Janna und mich warteten, da wir uns beide mit dem gleichen Taxi auf die interessante Mission begaben Leas Reisepass in Limbe zu holen. In Limbé angekommen nach weiteren 45 Minuten fanden wir dann glücklicherweise Leas Reisepass relativ schnell und machten uns immer noch mit dem gleichen Taxifahrer, der wohl noch nie soviel Geld an einem Tag verdient hatte, auf den Weg zurück nach Douala. Ich sag euch, die Strecke zwischen Limbe und Douala ist echt schön, aber nach diesem Tag sind auch tausend Kautschukbäume nicht mehr interessant.
Nach 5 Stunden Fahrt (der Stadtverkehr in Douala ist die Hölle!) kamen wir dann endlich an der Central Voyages Agentur an, mit der wir nach Kribi fahren wollten. Die anderen 4 Freiwilligen waren schon da und hatten zum Glück schon Tickets für die wirklich guten Busse gekauft, die auch wirklich pünktlich losfuhren. Wir fuhren in zwei Fuhren, sodass unsere „Limbegruppe“ eine halbe Stunde später als die anderen losfuhr. Nach ungefähr ¾ des Weges nach Kribi kamen wir in eine der tollen Armeekontrollen, wo man eigentlich nur seinen Pass vorzeigen muss und dann weiterfährt. Da die Gendarms da wohl aber an Touristen gewöhnt waren und ein wenig extra Geld für Bier einsacken wollten verlangten sie auch den Impfpass, den keiner von uns dabeihatte, weil es auch nicht notwendig ist. Nach minutelangen Diskussionen verlangten die Gendarms ohne Witz 500 Francs (8 Euro) pro Kopf damit wir passieren können. Ich frage mich was die 5000 Francs an dem Fakt dass wir keine Impfpässe dabeihatten ändern sollten aber naja das is eine andere Geschichte. Jede Diskussion führte zu nichts, sodass wir schon halb verzweifelten, auch weil die anderen Leute im Bus weiterfahren wollten und wir kurz davor standen einfach an dem Kontrollposten stehengelassen zu werden (na dann Prost Neujahr). Schließlich konnte ein Kameruner aus dem Bus, der irgendwann mit den Gendarm anfing zu reden sie davon überzeugen uns gehen zu lassen. Ich hab keine Ahnung wie er das geschafft hat, aber das spielte dann auch keine Rolle mehr. Wir waren einfach nur froh dass wir unsere 5000 Francs behalten konnten und nichts zur Korruption in Kamerun beitragen mussten.
In Kribi angekommen nahmen wir ein Taxi und in der Mission trafen wir dann auch schon auf die anderen 4, Alex und Charmain, meine Ex-Mitbewohner, welche auch in der katholischen Mission übernachteten, Eric und Brenda (VSO Freiwilliger mit seiner Freundin), Steve (von dem ihr schon weiter oben gelesen habt) und Melinda (VSO Freiwillige aus Australien). Alles in allem eine sehr lustige Truppe und eine schöne Begrüßung zum Urlaub.
Den ersten Abend verbrachten wir dann auch ruhig in der Mission, bezogen unsere Betten und gingen abends noch ein bisschen was essen in einem Restaurant am Strand. Nach einem guten Schlaf trafen wir uns am Weihnachtsmorgen alle wieder beim Frühstück, was simpel und wenig war, aber über die Preise konnten wir uns wirklich nicht beschweren (umgerechnet 7 Euro pro Nacht). Weihnachten gingen wir dann das erste Mal auf den Markt von Kribi, um ein wenig kamerunisch zu shoppen (vor allem die Mädels, ich hatte damit gar nichts zu tun=)) und für den Weihnachtsabend ein wenig Wein und Kekse zu kaufen. Abends saßen wir dann zu erst zusammen am Strand mit einer kleinen Kerze und einem Adventsstern im Sand und genossen unsere Gemeinschaft, bevor wir in einem Restaurant (das einem Rastafari gehörte=)) auf Felsen direkt am Meer ein kleines Weihnachtsbuffet hatten. Danach gingen wir zurück zu Mission, wo ich mich selbst bescheren konnte (nochmals einen Riesendank an alle, die mir ein kleines oder großes Geschenk zu Weihnachten geschickt haben! Das war wirklich überwältigend!) und wir später dann noch in der Gruppe ein wenig feierten, bevor wir ins Bett gingen. Hab dann noch mit meiner Mama und Schwester in Deutschland telefoniert und auch mit Hannah und Lorenz worüber ich mich sehr gefreut hab! Der Weihnachtsabend war alles in allem richtig schön und das Heimweh, was ich ein wenig hatte, wurde erheblich durch die Gemeinschaft mit den anderen Freiwilligen, die wirklich sau wichtig geworden ist, geschmälert. Am ersten Weihnachtsfeiertag hatte dann Katharina Geburtstag und wir gestalteten einen kleine Geburtstagstisch beim Frühstück, was glaub ich ganz gut gelungen war. Mittags gings an den Strand und abends in den Nachtclub, der richtig teuer war (wie ganz Kribi eigentlich) aber mega viel Spaß gemacht hat. Konnten uns beim DJ unsere eigene Musik wünschen, was wir auch gleich umsetzten, obwohl ich ein wenig enttäuscht bin, dass er kein Seeed gespielt hat.=)
Ansonsten entdeckten wir diese erste Woche des Urlaubs die wohl beste Pizzeria in Kamerun (okay ich hatte bis zu dem Zeitpunkt keine Pizza gegessen in Kamerun), mit unglaublich hohen Preisen aber verdammt guten Pizzen. Wir sollten da nicht nur einmal vorbeischauen =)
Am Samstagmorgen machten wir eine Einbaumkanutour auf einem Fluss nahe des Meers, die richtig interessant und eine schöne Erfahrung war. Eigentlich sollte man am Flussufer Affen sehen können, aber dafür waren wir ein wenig zu spät dran. Auf dem Weg zurück fragten wir unseren „Fahrer“, ob wir an dem Abend frische Krabben essen könnten (da er auch auf Bestellung Leute am Strand bekocht) und er sagte sofort zu und kaufte auf dem Fluss noch schnell frische lebende Krabben, die wir dann am Abend essen sollten – ich sag euch ich hatte noch nie so gute Krabben! Am Abend saßen wir dann eben am Strand und genossen den Sonnenuntergang bevor wir mal wieder in den Nachtclub strömten um uns von kamerunischer Musik berauschen zu lassen=) Hatten dann auch schon mehr Gesellschaft von Kamerunern, die wir am Strand und an Weihnachten kennengelernt hatten.
Eigentlich wollten wir ja nur eine Woche in Kribi bleiben um Silvester in Limbe zu feiern. Während der ersten Woche mussten wir uns aber eingestehen, dass der Plan nicht so wirklich perfekt war, weil Kribi einfach zu schön ist. Wir entschieden also die zweite Woche auch noch komplett in Kribi zu verbringen und auch da Silvester zu feiern, was im Enddefekt auch eine ziemlich gute Entscheidung war!
Die Woche begann etwas traurig. Am Dienstagmorgen reisten Alex und Charmain ab um nach Yaounde zu fahren, von wo sie am Mittwoch (über Silvester!) nach Großbritannien zurückfliegen sollten. Es waren zwar „nur“ zwei Monate gewesen, die ich mit den Beiden verbracht habe, aber dadurch dass wir zusammenwohnten sind wir doch sehr eng zusammengeschweist worden und ich hab in den beiden auch echt gute Freunde gefunden. Kann es kaum abwarten eines Tages in Wales vorbeizuschauen.
Ansonsten verbrachten wir die Tage wirklich ausschließlich am Strand mit wenigen Ausnahmen um in der Stadt etwas zu besorgen oder Pizza essen zu gehen=). Nachdem Eric, Brenda, Steve und Melinda schon am Wochenende Kribi verlassen hatten waren wir nun also nur noch Deutsche in der katholischen Mission, was angesichts der Freundschaft, die wir zueinander aufgebaut haben aber auch kein Problem darstellte.
Mittwoch war dann endlich Silvester und so richtig glauben konnte ichs nich, dass schon wieder eine Woche vergangen war. Es ist ziemlich schade, dass im Urlaub die Zeit mindestens doppelt so schnell vergeht. Wir hatten unseren Abend schon perfekt durchgeplant (Abendessen selbst kochen, Bruschetta und Pasta, danach Lagerfeuer am Strand mit traditionellen Tänzen und danach Nachtclub in Kribi) aber irgendwas fehlte da irgendwie zu Silvester – Dinner for One. Fast schon am verzweifeln kamen die Mädchen mit der besten Überraschung aller Zeiten. Hannah hatte Dinner for One von Zuhause geschickt bekommen, sodass wir komischen Deutschen unsere Tradition ausleben konnten=)
Der Abend verlief danach auch noch ziemlich gut und nachdem wir am Strand traditionelle Tänze genießen konnten hatten wir ziemlich viel Spass im Nachtclub der kamerunisch nicht klimatisiert war und daher mehr einer Sauna glich, was uns aber auch nich vom Tanzen abhielt.
Am Donnerstag war dann der Urlaub ja schon fast wieder zu Ende und die letzten Tage verbrachten wir ausschließlich in Strandnähe wo wir einen sehr netten kamerunischen Künstler kennenlernte, dem wir auch seinen halben Laden leerkauften. Ich bin jetzt stolzer Besitzer einer ziemlich schönen Malerei.
Freitag mittag machten wir noch eine kleine Kanutour an die Lobé-Wasserfälle, die nur 2 Minuten Fußweg von unserem Strand entfernt lagen. Ich glaub es gibt nur sehr wenige Wasserfälle auf der Welt die direkt ins Meer fallen, die Lobé-Wasserfälle sind so welche – also eine ziemlich schöne einzigartige Erfahrung. Am letzten Abend bestellten wir uns wieder frische Krabben und Fisch und Affenbrotbaum=), um den letzten Abend schön am Strand ausklingen zu lassen.
Samstag morgen gings dann viel zu früh zurück nach Limbé, wo wir den Samstag Abend noch verbringen wollten, bevor wir am Sonntag zurück in unsere Heimatstädte fahren wollten.
Kurz bevor unser Bus losfuhr fiel Moni in einen Graben und zog sich eine ziemlich böse Wunde zu, die wir in Limbés Krankenhaus erstmal reinigen lassen mussten. Das war ein nicht so schöner Abschluss eines tollen Urlaubs, in dem wir neue Leute kennenlernen konnten, alte Freunde bei uns hatten (Alex und Charmain), frische Krabben essen, im Meer schwimmen und einfach unsere Gesellschaft genießen konnten. Samstag Abend nach einer sonst sehr ruhigen Busfahrt OHNE Passkontrolle gingen wir in ein wunderschönes Café für Kamerun außergewöhnliche Getränke trinken. Ich hatte endlich wieder die Möglichkeit Eiskaffee zu trinken, die anderen nutzten die Möglichkeit für eine heiße Schokolade (mit richtiger Milch!=)) oder einem Smoothie. Das Café is wirklich mit das Schönste, das ich in meinem Leben gesehen habe, das habe ich wirklich nicht erwartet. Nach einem schönen letzten gemeinsamen Abend gings dann für Nico, Lea, Katharina und mich am Sonntag morgen zurück Richtung Bafoussam bzw. Bamenda. Schon etwas traurig und mit ein wenig Angst vor dem Alltag warteten wir 2 Stunden bis unser Bus endlich losfuhr, der dann auch nach 8 Stunden Fahrt endlich in Bamenda ankommen sollte. Auf dem Weg kauften wir uns kleine Bälle, gefertigt aus irgendwas Strohänhlichem, schwer zu erklären, aber es sind ganz coole Bälle, die direkt an der Straße verkauft wurden, jetzt mal sehen was wir damit machen. Beliebt scheinen sie auf jeden Fall zu sein, denn als wir mit dem Bus für die Mittagspause anhielten kamen direkt 5-6 Kinder an unsere Scheiben von draußen und wollten wenigstens einen Ball um jeden Preis haben. Es war schon süß auf der einen Seite wie sie uns versucht haben zu überreden, auf der anderen Seite ist es halt echt traurig, dass man täglich sieht, wie privilegiert wir leben, selbst Produkte aus dem eigenen Land sind für manche Leute nicht erschwinglich sondern nur für Touristen gedacht, das hat man auch ganz deutlich in Kribi gesehen.
So seit Sonntag bin ich also wieder hier und ich muss sagen, dass ich mehr Angst hatte vorher als es jetzt wirklich schlimm is. Das einzige was mich wirklich genervt hat an Bamenda war die Maus, die seit ein paar Wochen in unserem Haus wohnt und uns alles vollkackt und anfrisst. Heute Nacht konnte ich kaum schlafen weil sie so dreist war auch in mein Zimmer zu kommen. Ich kann ja verstehen dass sie in der Küche haust, aber was hat sie in meinem Zimmer zu suchen? - Da hört der Spass auf sag ich euch, heute wird ne Mausefalle gekauft!
Die Arbeit begann diese Woche auch echt ganz okay. In den Schulen machts jetzt mehr Spaß, machen jetzt grad das Thema Malaria und heut werden wir noch in eine der Schulen gehen und dann ganz praktisch lernen, wie man Brutplätze von Mosquitos verhindert. Das Radioprogramm diese Woche dreht sich um Barack Obama und die Erwartungen der Leute hier vor Ort, weil die Wahl doch ein Riesenaufsehen erregt hat und ich mich mal gefragt hab, was die Leute eigentlich von ihm erwarten, da er ja direkt mit Kamerun nichts zu tun hat.
Achja gestern hatte ich ein interessantes Erlebnis. Wir hatten grad die Unterrichtsstunden geschlossen, als die Kinder auf einmal ganz leise und schüchtern meinten sie würden meine Haare mögen. Ich fragte dann warum und sie meinten, weil sie nicht schwarz wären. Im Enddefekt lief es darauf hinaus, dass ich mich habe überreden lassen meine Haare mit einem Jungen nächste Woche zu tauschen=)) Mal sehen wie wir das anstellen wollen.
So das wars mal von mir bis jetzt. Ich hoffe ich konnte die Verspätung mit diesem Bericht ein wenig gut machen. Ich wünsch euch allen nochmals ein schönes neues Jahr und ich hoffe euch geht’s gut. Ich mach mich jetzt mal an die Arbeit und freu mich von euch zu hören!
Alles Beste aus Bamenda,
Niels

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