Hey Ihr!
Warum ist es hier in Kamerun so schwer sich einzuleben? Die Frage hab ich mir schon so oft gestellt, auch weil ich von anderen Freiwilligen in anderen Ländern weitaus positivere Rückmeldung habe, als teilweise hier aus Kamerun.
Es kann viele Gründe und Ursachen haben, warum ich mich so schwer getan habe/ immer noch tue, mich einfach auf die Gesellschaft und die Leute einzulassen und das Vergleichen mit Zuhause zu vergessen.
Es kann an mir liegen, ich kann einfach dafür nicht wirklich „geschaffen“ sein- Kamerun als extreme Erfahrung aber nicht als Erfüllung des Auslandstraums. Zu oft habe ich Zuhause noch im Kopf und zu wenig lasse ich mich auf die Leute hier ein, das kann sehr subjektiv betrachtet sein und es ist auch schwer in so einer Sache mit anderen zu vergleichen, weil wie gesagt jeder anders tickt und mit soner Situation, wie ein Jahr in Kamerun wohnen, anders umzugehen weiß, aber in manchen Gelegenheiten habe ich mich selbst dabei erwischt mit den Gedanken abzudriften anstatt den Moment, der nun gar nicht mal „schlimm“ gewesen sein muss, zu genießen. Hier muss man sagen, dass es besonders die richtig schönen Momente sind, die einen mit den Gedanken nach Hause holen.
Die ganze Einlebungsproblematik kann sich aber auch auf die Riesenaufgabe beziehen, die lautet: lebe dich in einer Gesellschaft ein, die ungefähr 5 % der Mentalität deiner eigenen besitzt und finde dich somit irgendwie mit den unverständlichen und komplizierten restlichen 95 % ab. Was mir in Kamerun aufgefallen ist und was mir und anderen auch so schwerfällt ist die Gegensätzlichkeit des Gesellschaftsaufbaus hier in Kamerun zu akzeptieren und mit dieser zu leben. Hier im Nordwesten des Landes haben wir ungefähr 80-90 % Christen, jeden Sonntag (und nicht nur Sonntags) gehen die Familien in ihre Kirchen, jeden Tag hört man im Taxi Gospelgesänge und Gebete, vorgetragen von Medienpriestern, und vieles wird auf Gott und Jesus zurückgeführt – jeder sollte ein sündenfreies Leben führen. Macht man einen Ausflug ins Internet und informiert sich über Kameruns Abschneiden in der Weltrangliste der korruptesten Länder sieht man, dass es mit den Topteams mithalten kann. Nicht nur die staatliche, nein auch die private und kleinstmögliche Korruption nimmt teilweise dramatische Züge an. Irgendwie ist diese schizophrene Seite schwer nachzuvollziehen und zu leben. Ich will niemals sagen, dass alle Kameruner korrupt sind und ihrem Glauben nicht nachgehen, aber das sind schon Seiten der Gesellschaft hier, die mir das Einleben sehr schwer gemacht haben und immer noch machen.
Also warum habe ich mich trotzdem ganz gut eingelebt mittlerweile und kann mir das Jahr hier gut vorstellen? Es liegt wohl einerseits an der Zeit (fast vier Monate), die mittlerweile schon verstrichen ist und nach der man sich wahrscheinlich an vieles gewöhnen kann (und so schlimm ist es ja jetzt auch nicht) und an der Tatsache, dass man an seinen Aufgaben irgendwie wächst, ob bewusst oder unbewusst macht man sehr viele Lern- und Anpassungsprozesse durch in solch einer Extremsituation.
Andererseits liegt es an den vielen tollen und netten Menschen, die ich hier getroffen haben. Seien es Sarah, Neele, Lina und Carolin, die vier deutschen weltwärts-Mädels, Lea, die andere DED Freiwillige, Alex, Charmain, Steve, Marc, Melinda und die vielen anderen netten VSO Freiwilligen, oder Gerald und Nji, meine besten kamerunischen Freunde hier. Dazu kommen Janna, Hannah, Nico, Katharina, Lea, Jannik und Moni, die für mich wie eine Familie geworden sind. Das sind Dinge, die mich hierhalten und die es mir einfacher machen schwierige Zeiten zu durchleben.
Und was mich besonders motiviert und mir hilft und geholfen hat die ersten Wochen zu überstehen und jetzt tiefe Phasen zu durchleben seid ihr alle Zuhause, meine Familie und die besten Freunde, die ich mir in dieser Situation wünschen kann! Danke Schön!
Ich wollte mal meine Gefühlslage ein wenig anders beschreiben und ihr sollt jetzt nicht denken, dass ich hier verzweifle, es gibt immer gute und schlechte Phasen im Leben, ich wollte beide Seiten der kamerunischen Medaille aufzeigen – was ich gewonnen hab aber auch wo ich schwer kämpfen muss.
Alles Beste aus Bamenda!
Niels
Donnerstag, 15. Januar 2009
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